Wir fliegen mit Delta. Die Maschine nach Chicago ist sehr klein. Darum wird selbst das Handgepäck nicht mit in die Kabine genommen, sondern auch im Gepäckraum verstaut. Die Maschine fliegt ruhiger und vertrauenswürdiger als British, fucking, Airways. Über Chicago wird das Wetter ein bisschen herber und dann und wann ruckelt es mal ein bisschen. Aber summa summarum war der Flug sehr entspannt und der Steward sehr nett. Man kann ihn sich vorstellen wie ein Alter grau gewordener Robin Williams. Herzlich, höflich und hilfsbereit.

Wieder bekommen wir sofort unseren Koffer. Und finden völlig problemlos den Weg zur Trainstation. Mit der CTA Blue line fahren wir ca 40 min in die City. Steigen bei Jackson in die redline  nach Roosevelt um und nehmen dort den kostenlosen Bus nach Chinatown. Unser Hotel ist 3 Gehminuten von der Bus Station entfernt. Könnte es noch Besser werden?

Jemand, der vor einigen Jahren nach Chicago gezogen ist, hat mir erklärt, dass Chicago für ihn die beste Stadt überhaupt sei, um in den Staaten zu leben. So gut wie alles, was New York an Kunst, Musik, Unterhaltung, Sport und in der Gastronomie zu bieten hat, fände man in Chicago auch. Mit dem Unterschied, dass die Leute hier freundlicher seien. Außerdem ist die Stadt nicht so groß („nur“ 2,7 Millionen Einwohner) und man braucht deshalb nicht so lange, um von A nach B zu kommen. Ich war bisher zwar nun schon zweimal in New York und habe bisher nur wenige Stunden in Chicago verbracht, aber von dem, was ich bereits gesehen habe, kann ich diese Aussage sehr gut nachvollziehen. Chicago hat mein Herz gestohlen!

Es ist ca 19:30 Uhr als wir im Hotel ankommen. Und es ist auch endlich mal ein China Town wie man es sich vorstellt. Zwar fehlen hier die Lampinons, Fähnchen und Drachen, aber hier gibt es ein riesiges chinesisches Tor und die Dächer und Fassaden sind dem chinesischen Baustil nachempfunden. Auch in den Läden sieht es deutlich mehr nach China aus, als im Chinatown in New York. Ich fühle mich spontan wohl.

Das Chinatown Hotel hat genau wie das New York Inn keinen Fahrstuhl und auch hier sind wir wieder, wie konnte es auch anders sein, im 3. Stock untergebracht. Armer Dennis mit dem schweren Koffer und den mehr als engen Treppen. Unser Zimmer ist schön groß und geräumig. Endlich! Alles ist sauber und und riecht herrlich frisch nach Blumen. Wir sind begeistert. Den Abend lassen wir bei einem chinesischen Dinner im Moon Palace ausklingen, kaufen noch etwas Wasser und fallen tot ins Bett.

Am nächsten Tag werden wir durch laute Musik geweckt. Party um 8? Ist unser Hotel über einer Disco? Nope. Der 5. Tag. beginnt mit dem Chicago Marathon. Ganz Chinatown ist am ausrasten. Die kleinen niedlichen Chinesen zappeln mit großen Drachen am Straßenrand und jubeln den Läufern zu. Wir schauen eine Weile zu und machen uns langsam auf den Weg richtung Innenstadt. Dort wo der Rube rollt.

Als Erstes wollen wir die Buckingham Fountain anschauen, doch leider ist wegen des Marathons der ganze Milleniumpark gesperrt. Noooo. Nichts destotrotz gibt es immernoch genug zu sehen, also fangen wir mit dem Navy Pier an. Dort essen wir unseren ersten Chicago Style Hotdog und Dennis beschließt Speedboot fahren zu wollen. Hell YEAH. Die Tour mit dem Boot ist genial. Wir erfahren viel über chicago, können viele tolle Bilder schießen und bekommen ein taubes Gesicht von der Geschwindigkeit des Speedbootes. Nach dieser Tour laufen wir am Kanal entlang Richtung „the Bean“, schauen uns die Crown Fountain an und leider ist der Al Bundy Brunnen immernoch abgesperrt. Also geht es ins Hooters – MEOW – wo wir die absolut geilsten chickenwings essen die ich je gegessen habe.. das hatten wir uns auch verdient nach diesem 17 km Lauf heute. Moah, diese Barbecuesoße!!! Abends wird noch schnell ein Mietwagen für unseren Outlet Marathon im 54 km entfernten Aurora gebucht. Der Wagen kostet 40 € und steht uns für übermorgen zur Verfügung. Das nenne ich flexibel. Danke billiger-mietwagen.de!

Es ist Montag, unser 6. Tag hier in den USA und auch heute werden wir wieder sehr früh um 5:30 Uhr geweckt von einem enormen Lärm: die Müllabfuhr.
Heute ist der Willis Tower dran. Die Tickets hierfür haben wir schon im Voraus über das Internet gebucht. Wir nehmen uns vor mit dem Loop zu fahren. Dafür müssen wir allerdings erst einmal eine Haltestelle finden. Das erweist sich als eine kleine Herausforderung, klappt aber dennoch sehr gut. Mit der Orange-Line fahren wir bis zur Wells Street (glaube ich) und sind auch schon direkt bei dem Willis Tower. Der Andrang ist groß und wir warten insgesamt eine gute Stunde, bis wir oben ankommen.

Willis Tower
Der Willis Tower ist die wohl populärste Touristenattraktion in Chicago, trotzdem wollte ich es mir nicht entgehen lassen, selbst einmal einen der berühmt berüchtigten Glasbalkone auf dem Skydeck zu betreten. 2009 wurden diese komplett gläsernen Balkone an der Fassade des Turms befestigt, so dass man beim Betreten direkt 412 Meter tief in den Abgrund blicken kann. Letztes Jahr erst waren diese in den Schlagzeilen gewesen, weil die obere Glasschicht bei einem der Balkone zersprang, nachdem vier Männer darauf gesessen hatten. Laut den Betreibern war die zersprungene Glasschicht allerdings nur eine Schutzschicht und so hat zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefahr bestanden.

Als ich den gläsernen Balkon schließlich endlich selbst betreten darf, schießt mir direkt das Adrenalin durch den Körper. Ich betrete das zentimeterdicke, mehrschichtige Panzerglas und schaue nun 412 Meter direkt in die Tiefe. Als würde ich in der Luft stehen. Mir stockt der Atem und ich bin restlos fasziniert. Abgesehen von der unglaublichen 360° Aussicht, ist dass das absolutes Highlight für mich!

Wieder unten angekommen, gibt es einen Frühstücks Hotdog in der Union Station und einen Bosten Cream hinterher. Dann geht es weiter zur Buckingham Fountain, die auch nun endlich wieder begehbar ist. Das Wetter macht seit 2 Tagen super mit und die Sonne scheint mit voller Kraft, so dass wir uns an dem Brunnen auf einer Bank niederlassen um uns ein wenig in der Sonne zu suhlen. Nach einer kleinen Shopping Tour in Chinatown gehen wir noch einmal im Moon Palace essen und lassen den Abend entspannt im Zimmer ausklingen.

Uhhhhh Shopping. I’m so excited!!! Wir sind nun genau eine Woche hier und unser erster outlet Marathon steht vor der Tür. Um 9 Uhr holen wir unseren Mietwagen bei Alamo in der Lasalle Street. Die haben einen Eisblauen Hyundai bekommen sowie einen Tollpass für die Interstate 290 und 88. Nach einer Stunde fahrt haben wir die Premiumoutlets, die direkt an der Autobahn liegen, in Aurora erreicht. Um es mit 3 Worten kurz zu fassen: Ich bin pleite. Nach diesem Shoppingmarathon sind wir ziemlich hinüber. Dennoch wollen wir unbedingt eine Deep dish Pizza essen, für die Chigpcago so bekannt ist. Wir gehen zu Ginos. Nach einer kurzen Wartezeit werden wir zu unserem Tisch geführt. Das Restaurant hat Stil. Wände, Stühle, Lampen, Tische… Alles ist vollgekritzelt wie auf einem Bahnhofsklo. Sowas hatte ich noch nie zu vor gesehen und es sieht wirklich toll aus. Die Wartezeit für eine Pizza betragt jedoch 40 Minuten aber mit einem Salat vorweg, macht das nichts aus.

Deep Dish Pizza – Giordano’s
Was für die Bayern die Weißwurst ist, ist für Chicago die Deep Dish Pizza! Das ist eine amerikanische Version einer Pizza, die unter anderem einen besonders hohen Rand hat, durch den sie mehr Inhalt aufnehmen kann. Die reichhaltige Füllung variiert von Hackfleisch, Peperoni, Pilzen bis hin zu Paprika und vielem mehr. Wir nehmen eine Meaty Legend mit 4 Stücken. Die reicht auch vollkommen, denn ich schaffe gerade mal ein Stück. Die Pizza ist der Wahnsinn. Am wichtigsten ist aber der würzige geschmolzene Käse, dessen Anteil bestimmt fünfmal so hoch ist wie bei einer normalen Pizza. Welche Pizzeria in Chicago die einzig wahre Deep Dish serviert, darüber scheiden sich wohl die Geister. Wir haben uns nach ausführlicher Recherche schließlich für Giordano’s entschieden und dies nicht bereut. Der Legende nach hat Mama Giordano vor Jahrzehnten in Torino in Italien das Rezept der Deep Dish Pizza entwickelt. 1974 brachten ihre beiden Söhne das Rezept dann nach Chicago und eröffneten dort das erste Giordano’s.

In den USA sind bekanntermaßen sämtliche Gerichte für uns Europäer ohnehin schon immer riesige Portionen. Bei der Deep Dish Pizza ist selbst die kleinste bestellbare Größe bei Giordano’s so groß und füllend, dass sich problemlos drei bis vier Leute den Bauch vollschlagen können. Wir haben uns die restliche Hälfte in einer Take-Away-Box einpacken lassen und sie für später aufgehoben.

Anschließend wollen wir den Mietwagen wieder zurückbringen, da der Mensch am Schalter meinte, man könne den Wagen die ganze Nacht zurück geben. Von wegen. Natürlich war die Station zu. Zum Glück war der Mietwagen bis zum nächsten Tag um 9 Uhr gebucht. Zu SEINEM Glück.

Am nächsten Tag stehen wir um 7:30 Uhr auf. Natürlich beginnt der 8. Tag nicht ohne den ohrenbetäubenden Lärm der Müllabfuhr. Aber alles in allem habe ich in diesem Hotel geschlafen wie ein Baby. Die Nächte waren sehr, sehr ruhig und gut. Den Mietwagen haben wir schnell und problemlos zurück gegeben, sind noch kurz was einkaufen gegangen und haben ein Taxi zurück zum Hotel genommen. Kost ja nix. Denn Chicago ist zum Vergleich anderer Staate deutlich günstiger! Die Sachen noch schnell zusammengepackt, kurz noch ein wenig entspannt und um 11 Uhr los mit dem R22 Bus zur Roosevelt Redline, von dort zur Jackson, in die Blueline umsteigen. Zwar eine kleine Tortur mit den Treppen und den 21 kg schweren Koffern, aber definitiv machbar. Check in ging mit Hilfe ganz gut, weil wir nicht gleich geblickt haben, dass man den Ausweis nicht unten sondern OBEN durch zieht. Bei der Kofferabgabe kurz gezittert, weil wir dachten wir hätten Übergewicht. Aber wir haben noch 2 kg Luft gehabt. Bei der Sicherheitskontrolle bin ich natürlich rausgezogen worden und es wurden Dinge mit meinen Händen getan… DINGE!!! Ich muss nachher mal googlen was das bewirkt hat, nen Papier über die Handflächen zu streichen, in nen Computer zu stecken und zu sagen. Ok.. Ur all r8! Go on. *baum ? Inzwischen weiß ich, Sprengstofftest Stichprobe. Das ich wie ne Granate abgehen kann, weiß ich, aber das gleich testen zu wollen.. Tss
Ab in den American Airlines Flieger und weiter nach VEGAS!