10. Tag

Als ich heute aufwache  ist der gestrige Tag immer noch nicht vergessen. (Ich berichtete) Unser Flug nach Seattle geht um 20:30 Uhr Abends und um 11 Uhr müssen wir wieder auschecken. Ich will nur noch liegen bleiben. Ich habe absolut keine Lust und bin völlig depressiv. Mein Gedanke gestern, die Reise abzubrechen und den nächstbesten Flug nach Hause zu nehmen, habe ich zwar wieder verworfen, aber Unterbewusst spiele ich immer noch damit. Ich fühle mich einfach nicht wohl.

Ich raffe widerwillig mein Zeug zusammen und checke aus. Davor, Halleluja, frühstücken wir aber noch etwas. Das „Buffet“ ist sehr sperrlich angerichtet. Ein paar Bagel, Butter und das war‘s. Doch ich bin zufrieden. Mein Kollege isst aus Protest NICHTS!

Als wir unser Zeug ins Auto packen erwartet uns schon die nächste Überraschung: Ein Strafzettel für 55 $ wegen falsch parken. EGAL. Völlig resigniert schaue ich mir das Ding an und lege es ins Auto. Mein Kollege bekommt wieder eine seiner Panikattacken. „HÄ? Ich check’s nicht! Wo sollen wir den bezahlen? Wie sollen wir den bezahlen? Wann sollen wir den bezahlen? Läuft das über die Autovermietung? Meinst du die regeln das für uns? Was ist, wenn die das nicht machen? Was ist, wenn wir von denen, deswegen auch noch eine Strafe bekommen? Was wenn …“ Seine Worte werden immer dumpfer und bald höre ich nur noch Meeresrauschen. Perfekt.. ich bin in meiner Welt, das ist ok, man kennt mich hier!

Ich fuhr uns ein letztes Mal nach San Francisco rein, diesmal ohne uns zu Verfahren. Wir schlenderten ein wenig an den Piers entlang und gingen zu den Seelöwen, die direkt am Hafen auf einigen der Anlegestegen liegen. Sie sind eine absolute Touristenattraktion.Irgendwann, so erzählte man uns, kamen die Seelöwen hierher. Kein Mensch weiß, wieso sie das taten. Da sie jedoch den Fischern immer alle Fische weg aßen, fingen sie alle ein, gaben jedem einen Chip und verfrachteten sie nach Californien. Ein paar Wochen später waren sie wieder am selben Platz. Jeder einzelne von ihnen und keiner weiß, wieso es ihnen dort so gut gefällt. Seit dem leben sie dort und werden täglich von Unmengen Menschen bejubelt, bestaunt und fotografiert.

Gegen 2 Uhr aßen wir hervorragend Italienisch zu Mittag und machten uns auf den Weg zum Airport. Ich weiß, es ist ein wenig zu früh, aber ich wollte Vorkehrungen treffen, sollten wir uns wieder verfahren. Außerdem mussten wir noch den Mietwagen zurückgeben und wer weiß wie lange das dauert. Ich wollte einfach genug Zeit übrig haben.

Den Car Rental fanden wir auf Anhieb und haben uns nur einmal GANZ KURZ verfahren. Das machte nicht mal einen Zeitverlust von 5 Minuten aus. So hatten wir nun am Flughafen geschlagene 5 Stunden Zeit! Diese nutzte ich um 15 Postkarten zu schreiben.

Der 2 stündige Flug mit Alaska Airlines war angenehm, wobei die Landung lange nicht so schön weich war, wie die bei American Airlines. Nach den Staaten New York, Nevada und Californien, hatten wir nun Washington erreicht.

Nach einer halbstündigen Zugfahrt (die Ausnahmsweise problemlos ablief) erreichten wir das American Hotel in Seattle Chinatown um 23 Uhr. Dort sollten wir uns mit den Kollegen von meinem Kollegen treffen. Doch diese hatten eine kleine Verspätung und stießen somit erst gegen 1 Uhr morgens zu uns. Solange warteten wir im Speisesaal auf sie, wo ich um die Zeit zu überbrücken meine Reiseabenteuer notierte.

Das Hostel ist das erste, das ich diesmal wirklich empfehlen kann. Das 4 Bett-Zimmer, das wir mit den Kollegen teilten war zwar im Verhältnis EXTREM klein, aber gemütlich. Es gab ausreichend Badezimmer und WCs auf den Gängen. Alles war sauber und morgens schien es wohl immer ein Riesen-Frühstück von 6-9 Uhr zu geben. Ich konnte mich somit sehr auf Morgen freuen. Völlig erschlagen schliefen wir 4 ein.

11. Tag

Wie gestern schon vermutet (ich berichtete) hielt das Frühstück tatsächlich was es versprach. Es gab Tee, Kaffee, Orangensaft, Milch, Kaba, Toast, Brot, Bagels, Bananen, Orangen, Käse, Marmelade, … usw. Auch wenn ich aufgrund meiner Allergien nur die Hälfte davon essen kann, war ich mehr als glücklich. Nach 3 Toasts und 2 Bagel machten wir uns um 9 Uhr auf den Weg Seattle zu erkunden. Ich war nicht besonders spitz auf die Stadt es war jedoch der Wunsch der Kollegen. Also hatten wir 4 Tage Seattle vor uns. Naja, 1 Tag New York aber 4 Tage in einer Stadt die mich genauso brennend interessiert wie ein Furunkel am Arsch des Präsidenten! Kann ja nur spannend werden. *Gähn

Nach einem ausgedehnten Spaziergang an der Hafenpromenade entlang und einem Bummel über den total überfüllten, bekannten Seattle-Markt der nebenbei bemerkt wirklich sehenswert ist (Kleider, Blumen, Seafood, Obst, Nudeln, … alles was das Herz begehrt), entschieden wir uns dafür mehr Sehenswürdigkeiten als eigentlich geplant anzusehen. Also holten wir uns einen Citypass für 59 $. Dieser beinhaltete 7 Touren/Besichtigungen und ist 9 Tage gültig. Er lohnt sich wirklich, wenn man viele Sachen plant, da der Eintritt bei den meisten Sachen immer zwischen 18 und 24 $ liegt.

Wir besichtigten also zuerst den Space Needle. Eine Art Fernsehturm, wie man ihn bei uns kennt. Die Wartezeit ist nicht erwähnenswert, dazu gibt es noch ein gratis Touristenfoto und die Aussicht lässt nichts zu meckern. Mit dem Wetter hatten wir mal wieder, wie bislang fast jeden Tag, wieder jedem Menge Glück. Es gab zwar ein paar Wolken, aber die Sonne schien immer konstant.

Den Space Needle bei Tag hatten wir abgehakt und gingen über zum nächsten Ziel: Das Center of Science. Wirklich sehenswert! Der Spaßfaktor steht hierbei absolut im Vordergrund, da alles zu 90% auf spielerische Weise erklärt wird. Die Lasershow lasst ihr jedoch lieber bleiben. Das ist Quatsch, es sei denn man sucht eine Möglichkeit für einen erholsames Nickerchen. Wir alle 4 sind weg geknackt.

Nach dem ausgiebigen Besuch bis um 18 Uhr im Science Center bekamen wir allmählich Hunger. Die Kollegen entschlossen sich für Seafood und schauten in ihrer App auf dem iPad nach einem Empfehlenswerten Restaurant. Wir liefen 30 min quer durch Seattle bis wir endlich dort waren. Der Laden war dermaßen überteuert das es schon eine Frechheit war. Erst einmal wurden wir lange nicht bedient, zudem kam, dass ich aufgrund meiner Allergien so gut wie NICHTS dort essen konnte und es wurde kalt. Natürlich saßen wir draußen. Wir warteten insgesamt 3 Stunden auf Getränke und Essen. Ich bestellte irgendwas mit Rind oder so, wo nicht vermerkt war das es LUZIFERMÄßIG scharf ist. Es war aber scharf! Ich hasse scharf! Aber ich hatte Hunger, also würgte ich die 6 dünnen Streifen Fleisch für 18 $ runter und versuchte die schärfe zu ignorieren. Ich hatte immer noch einen Riesen-Hunger und gemeinerweise war direkt neben an eine Pizzeria, deren köstlicher Gerüche mich halb wahnsinnig machte.

Ich konnte die anderen überzeugen, noch kurz in die Pizzeria zu gehen. SO wurde auch ich satt und der widerliche Geschmack von scharf verschwand auch endlich! Meine Laune hob sich wieder.
Gesättigt marschierten wir die 30 min (man hat sich das gelohnt… *augenroll) wieder zurück zum Space Needle. Inzwischen war es dunkel und wir konnten die Aussicht noch einmal erneut bei Nacht genießen. Immerhin war es auch schon 23 Uhr. Wir hatten ja lang genug auf das Essen in diesem blöden Lokal gewartet. – NICHT ZU EMPFEHLEN!!!! –

Auch bei Nacht war die Aussicht wundervoll.

Zurück zum Hostel teilten wir uns ein Taxi: 2 $ für jeden.  Ein entspannter Tag mit geschätzten 15 km Fußweg. Nun noch Duschen und ab ins Bett! Morgen wird eine Bootstour gemacht und das Aquarium besichtigt.

12. Tag

Heute streben wir das Seattle Aquarium und eine Bootstour entlang der Seattle Skyline an. Das Wetter ist wieder perfekt und durch unseren Citypass, den wir uns gestern zulegten (ich berichtete) hatten wir schließlich eine große Auswahl. Das Aquarium war bis auf 2-3 Highlights nicht besonders erwähnenswert. Der Riesen-Oktopus, der der Größte in Gefangenschaft lebende Oktopus auf der Welt ist, war der Wahnsinn. Seine Fangarme sind sooo riesig! Ich hätte so einen gerne zu Hause. Allerdings verriet uns die Pflegerin, dass wenn man einmal in deine Fänge gerät, sehr schlechte Karten hat sich wieder daraus zu befreien, bevor er einem den Arm abbeißt. – Nach dieser interessanten Information wollte ich ihn nur noch umso mehr haben! Ich kenne einige Menschen, die ihn gerne mal „streicheln“ dürfen… 😉

Die Pinguine und der Seesternstreichelzoo waren auch sehr spannend. Es ist ein wirklich komisches Gefühl einen Seeigel oder Seestern zu streicheln. Sehr komisches, aber lustiges Gefühl! Ansonsten sieht man jedoch auch nicht mehr wie in jeder anderen deutschen Zoohandlung. Allerdings denke ich, dass es gerade für Familien mit Kindern wirklich was Tolles ist.

Nach dem Aquarium machten wir die direkt daneben liegende Bootstour. Bis diese jedoch begann, hatten wir noch ein bisschen Zeit. Mein Kollege und ich entschieden uns für ein Eis. Es war sehr warm, also war ein Eis genau richtig. Ich nahm eine Kugel im Becher und wunderte mich schon, wieso die Kugel 3 $ und seine Becher so groß wie Eimer sind. Ich vergaß: In Amerika ist ALLES groß! Er schaufelte den Becher voll und setzte eine Kugel oben drauf. Das ist also eine Kugel Eis in Amerika. Sie entspricht etwa 5 Kugeln Eis in Deutschland! Gott, war mir schlecht nach dieser Kugel! Mein Kollege allerdings, ja, genau der, bestellte sich 2 Kugeln … in der Tüte. RICHTIG! In der TÜTE! (Die kaum noch zu sehen ist…) Dazu sage ich einfach mal nichts und lasse folgendes Bild auf sich wirken:

Ihm war danach noch schlechter als mir zudem steckten nicht nur seine BEIDEN Hände, sondern auch noch sein ganzes Gesicht im Eis. Das Eis aß ihn, nicht er das Eis! Als wir unser Eis bezwungen hatten, ging die Bootstour los. Die Bootstour war toll. Ich wusste nicht das Seattle 280 Regentage hat! Was haben wir doch für ein Glück!

Nach der Bootstour wollten die anderen unbedingt in so einen bekannten Outdoorladen namens Arei. Also gut. Nach einem 1-Stündigen Fußmarsch, meine Füße waren wieder gut am Ende, hatten wir diesen endlich erreicht. Der Laden war überteuert ohne Ende und ich entschloss mich 1 1/2 Stunden auf einem Campingstuhl zu verweilen, bis sich die Kollegen endlich mal dazu bequemten weiter zu ziehen. So konnte ich jedoch meine Füße ein wenig entlasten. Memo an mich: Wanderschuhe kaufen! Aber NICHT HIER!!!

In der Zwischenzeit verteilte mein Kollege, der die Tasche mit meiner Spiegelreflex, dem Camcorder, der Geldbörse und dem Trinken, die er auch ab und an mal trug, in der kompletten Tasche die Sonnencreme. Ich weiß nicht wie er es hinbekommen hatte, dass sich der Deckel öffnen konnte und die halbe Flasche auf allen sich darin befindlichen Geräten zu verteilen, aber er hat es geschafft. Die ganzen Tage an denen ich die Tasche hatte, worin sich auch die Creme befand war nie etwas passiert und mein Kollege hat sie einmal für 2 Stunden und schon passiert so etwas. Ich war very amused! Aber ich hatte ja 1 1/2 Stunden Zeit mein Hab und Gut von der Creme Mittels Taschentüchern zu befreien. Bäh, was ein geschmiere! Ich hätte ihn mal wieder umbringen können.

Auf dem Rückweg zum Hafen, inzwischen war es auch schon wieder 18 Uhr, gingen wir in einem Restaurant in der Marktgasse essen. Das Essen fand ich ansich sehr gut, doch den anderen schien es nicht geschmeckt zu haben. Vielleicht lag es daran, dass wir nicht 3 Stunden auf den Kellner warten mussten und auch die Portionen waren wahrscheinlich zu groß und zu günstig. Aber was weiß ich schon… (Ja ich bin immernoch ein wenig angepisst wegen diesem dämlichen Restaurant!)

Den restlichen Abend verbrachten wir in einer Bar, eine Parallelstraße weiter unten. Die Bar namens „Zik Zak“ war der Knaller und bis 23 Uhr hatten wir dort eine wirklich nette Runde. Ich hatte sehr viel Spaß!