13. Tag

Schnallt Euch an, heute wird es spannend!
Heute besuchen wir den National Park Mount Rainier. Aber erst einmal stärken wir uns bei einem ausgiebigen Frühstück. Der Saal ist recht voll und es hat keinen Tisch mehr frei, an dem 4 Plätze für uns alle frei sind. Ich entschließe mich, aus Rücksichtnahme vor meinem Kollegen, mich nicht an den Tisch seiner Kollegen zu setzen, weil ich nicht möchte das er alleine sitzt. Was macht der behinderte Engländer, er setzt sich zu seinen Kollegen und lässt mich allein sitzen. UOAH, ich bin NIE WIEDER NETT!!! Pff, Fickfrosch…Der Morgen fängt ja schon mal gut an!

Ich bin von Natur aus schon ein sehr unkommunikativer Mensch, was fremde Menschen angeht. Und vor allem mag ich es nicht neben ihnen zu sitzen. Darum hatte ich mir extra ein Tisch gesetzt an dem der Platz neben mir frei war. (Da sollte ja mein Kollege eigentlich hin) Da ich jedoch nun freundlicherweise von meinem Kollegen (ich hätte ihn in Death Valley vergraben sollen) sitzengelassen wurde. Nahm ein anderer den Platz neben mir ins Visier. Zunächst, sowie ich es mit 98 % der Bevölkerung tue, beachtete ich ihn nicht und ignorierte ihn gekonnt. << Morgenmuffel! Plötzlich sprach er mich an … in .. Moment.. DEUTSCH? Krass! Es stellte sich heraus, das er ebenfalls aus Deutschland kam und sogar nicht weit von mir entfernt wohnt. In Nürtingen um genau zu sein. Wir unterhielten uns und ich war froh darüber das mein Kollege so ne Eule war und sich nicht neben mich gesetzt hatte.

Er erzählte mir, das er nun schon seit 2 1/2 Monaten unterwegs sei, aber erst den 3. Tag in den USA. Davor war er in Asien und Australien und das ganz alleine! Hut ab. Leider habe ich weder sein Alter, noch seinen Namen je erfahren, da die Kollegen schon wieder darauf trippelten los zu fahren. (Wie mir übereifrige Menschen auf den Keks gehen!!!) Jedenfalls fand ich es ausgesprochen nett mich mit ihm zu unterhalten und falls er das hier je einmal lesen sollte: War echt nett deine Bekanntschaft gemacht zu haben!! Viel Glück noch auf deiner weiteren Reise. (Ich würde zu gern erfahren was er noch so alles bereist hat)

Mit der Metro ging es zum Flughafen zurück an dem die Kollegen einen Leihwagen gemietet hatten. Auf dem Parkplatz standen 3 Wagen. Ich kann mich noch erinnern, wie ich meinem Kollegen sagte: Nehmt alles, aber NICHT den VW Beatle. Sie entschieden sich für den Beatle! *Kopf -> Wand! Danke für’s Gespräch … Aber, DANKE GOTT, du warst mir an diesem Tag wieder hold!!!! – wurde man wieder bestraft für dieses Ungehorsam. Dazu aber später mehr …

Die Fahrt zum National Park dauerte ca 2 1/2 Std. Der Park war an sich sehr schön. Kein Vergleich zum Yosemite Park, aber er war sehr schön. Ein Ranger gab uns eine Hiking Empfehlung bei der wir ca. 2 Meilen zu einem kleinen Wasserfall marschierten. War nett, jedoch hätte ich ehrlich gesagt lieber meine Füße geschont.

2 Meilen zurück zum Auto, ein paar Landschaftsbilder reicher und die Freundin des Kollegen meines Kollegen und ich fuhren mit dem „boah wie ich ihn hasse“ Beatle zum 2. Wasserfall. Die Männer liefen. Der 2. Wasserfall war deutlich schöner und definitiv sehenswerter als der davor.

Auch an diesem Tag hatten wir wieder schönstes Wetter und die Sonne strahlte aus ganzer Kraft. Der Mount Rainer hat nur 85 schöne Tage im Jahr – was sind wir doch für Glückskekse!Auf halber Strecke um den Park herum, kommen wir im Visitor Center an. (Jeder Park hat mindestens ein solches Visitor Center)Überall liegt Schnee aber trotzdem ist es so warm, dass man locker im Top rumlaufen kann. Ich bin irritiert.

Im Center trinken wir einen Tee und essen eine Kleinigkeit. Die anderen wollen wieder wandern, doch ich entscheide mich diesmal dafür im Auto zu bleiben und meine Füße endlich einmal zu schonen. Kluge Idee! So konnte ich in Ruhe mein Reisetagebuch auf den aktuellen Stand bringen und während sich die anderen nasse, kalte Füße  holten, kuschelte ich mit einem Wolf, der plötzlich auf den Parkplatz gelaufen kam. MUAHAHA!

Als die anderen völlig begeistert zurück kamen und mir von dem Murmeltier erzählten, das sie gesehen haben, habe ich ihnen das Foto vom Wolf gezeigt. Danach waren sie irgendwie komisch. Ich will ja nicht angeben… AAABER, die anderen laufen 3 Stunden durch Schnee und Pampa, sehen ein Murmeltier und frosten sich die Füße weg, während ich gemütlich im Auto chill und ein Wolf zu mir gelaufen kommt.. FAIL!

Und jetzt kommt der „Ich hab’s Euch ja gleich gesagt“-Effekt
Bei der Rückfahrt wurde verstärkt über den Beatle hergezogen: Schlechtes Handling, zu viel verschenkter Platz, dauernd schlägt man sich aufgrund der scheiß Form die Köpfe an … usw. Aber nein, man nimmt ja das Sissi-Car! Egal, ich hatte einen Wolf gesehen. Was jedoch nun folgt ist nichts für schwache Nerven, denn nun kommt die Geschichte vom Stein.

Es war einmal ein mittelgroßer fast runder Stein. Der rollte mir nichts, dir nichts einfach mal den Hang hinab und dachte sich: So, hier bleib ich jetzt liegen. Leider war sein Platz nicht sonderlich wohl überlegt. Denn schon bald sollte er vor eine Kräfte messende Prüfung gestellt werden. Doch bis dahin, lag er da einfach. Mitten auf der Straße. Schilder warnten vor ihm. Sie sagten: Vorsicht herunterfallende Gesteinsbrocken. Das machte den Stein sicherer, denn er wusste: Schilder weißen auf mich hin! Doch er rechnete nicht mit … DEM BEATLE! *dämdämdäääääm!

Der oder die Fahrer/in des Beatles hatte die fantastische Angewohnheit alle Schilder gekonnt zu ignorieren und gab konstant Vollgas. So ignorierte er oder sie (vielleicht war die hohe Geschwindigkeit daran Schuld, das man das Schild nicht wahrgenommen hat.. man weiß es nicht..) auch folgendes Schild, welches deutlich auf den Stein hinwies. „ACHTUNG STEIN, bitte langsam!“ Man möchte an dieser Stelle auch hinzufügen, dass sich diese Straße von den üblichen Straßen deutlich unterschied. Sie war nicht nur ausgesprochen Kurvenreich sondern auch voller Dips und Schlaglöcher, die luzifermäßig tückisch und ein Horror für jede gesunde Bandscheibe sind. Der oder die Fahrer/in schien dies jedoch nicht weiter zu stören und sie fuhr weiterhin gediegene 60 Mph anstatt der vorgeschriebenen 35 – 45 Mph. UND DA IST ER AUF EINMAL. Hinter einer Kurve hat er sich versteckt. Der Stein. Er ist nicht zu übersehen und liegt genau auf der Spur auf der wir uns befinden. Er ist groß, daran besteht kein Zweifel. Doch ans Bremsen wird zunächst nicht gedacht. Ich werde nervös … ihr werdet doch nicht… Alle sagen im Chor: BREEEEEMS! Der oder die Fahrer/in bremst ab und rollt auf den Stein zu, bis er nicht mehr zu sehen ist und hält dann an. Mein Gedanke in diesem Moment wird mich mein Leben lang verfolgen: „Egal was du jetzt tust, fahr nicht über den St….“ KRAAAAAAACKQUIIIIIEEEETSCHHHHHHRRRCK! „Stein“ …. oh man.

Der Stein hatte eine Höhe von ca. 40 cm. Der Beatle war etwa 20 cm hoch. Er schubberte über den Stein, es Knallte, krachte, polterte, schüttelte, rumste und dann kam mir der Fußraum entgegen. Naürlich in Höhe des Steins. Ich legte den Kopf in den Nacken und massierte mir die Schläfen „Wuuuuusaaaa“!!! Einmal mit Profis. Gestern noch mit dem toll abgeschlossenen Studium angeben und heute über einen FELSEN mit einem Beatle fahren. Ich muss zugeben, das war mit ABSTAND das BESTE was ich je erlebt habe, erleben werde und je erleben werde und der Mount Everest in meinem Fußraum ist auch allererste Sahne. Wenn das nicht mal ganz großes Kino ist. Unterhaltungsfaktor hoch 10. Nehmt keinen Beatle habe ich gesagt … Danke Gott! Danke für deine schnelle Bestrafung! „Wer nicht hört muss fühüühüüülen… “ (Boah, mein Sarkasmus wieder)Aber wer hört schon auf eine BLONDINE wenn 3 braunhaarige Studierte im Auto sitzen. (Nehmt es mir nicht übel, Leute, aber die Aktion war echt nicht so.. wie sagt man dazu? Ach ja: K L U K!)

Und schwupps steht auch noch eine Elchkuh am Fahrbahnrand.

Der Beatle läuft noch, also wird es schon passen. Kurz vor Seattle einigen wir uns darauf in ein Japanisches Steakhouse zu gehen. Dort soll ein Koch direkt vor einem auf einer im Tisch eingelassenen Herdplatte das Essen auf höchst unterhaltungsreicher Art zubereiten. Ich bin gespannt.

Nach der ersten geschnittenen Zwiebel verfluche ich mich dafür, dass ich den Camcorder nicht eingeschaltet habe. Sowas hab ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen. Der absolute Wahnsinn! Am liebsten hätte ich den Koch gekauft und ihn für immer für mich kochen lassen. Er hat einen Vulkan aus einer Zwiebel gebaut der Rauch und Funken gesprüht hat!!! Ich BRAUCH diesen Koch!! Ja, wirklich! GENAU SO! Bis ihm die Finger bluten! Danke für diese Show und für dieses unglaublich köstlichste Essen, was ich je gegessen habe. Domo Arigato! Ab jetzt esse ich nur noch in einem Japanischem Steakhouse.

Um 0 Uhr lagen wir im Bett, denn um 6 Uhr geht es zum Flughafen: Duschen, Zähne putzen, eine schnelle „Ich lebe noch – Message“ an die Freunde und ab ins Bett. Morgen geht’s nach Indianapolis!