1. Tag

Es ist der 4. August und unser Flieger von Stuttgart nach London geht um 12 Uhr. Ich bin nervös, das Gepäck ist schwer und ich frage mich wie ich das durch die USA schleppen soll. Wird schon, rede ich mir ein…

Unser Zeitplan ist mehr als eng geschnitten aber die Motivation ist groß … noch!

Wir stehen also Abflugbereit am Stuttgarter Flughafen bei der Gepäckabgabe und warten geduldig bis der leicht rosa angehauchte Herr hinter dem Britisch Airwaysschalter in aller Seelenruhe unsere Daten eingibt. Doch dann stockt er, runzelt die Stirn und strahlt über das ganze Gesicht: „Sie wurden upgegradet!!!“, flötet er uns entgegen. „Das Flugzeug ist ausgebucht, Sie sitzen nun in der Business Class!“ – Ich hör nur „ausgebucht“ und flippe instant aus. Carl beruhigt mich und erklärt das dass etwas gutes ist. Armer Carl.

Noch ein kurzer Zwischenstopp von 3 Stunden in London in der Business Lounge, wo das warten auch Spaß machen kann. Mit Monster Buffet, gratis WLAN und beruhigender Musik und schon kann die Reise weiter gehen.

Die Business Class ist der Wahnsinn.. ein Fernseher mit einer Filmauswahl die größer ist als in jedem Kinopalast, ein Monster Sessel, der sich zum Bett ausfahren lässt, lecker Essen und eine überfreundliche Stewardess die einem jeden Wunsch von den Lippen ab liest. 7 Stunden Flugzeit? WO? (Mist, wieso bin ich nicht nach Australien geflogen?!)

Ankunft am JFK-Airport in New York: 18 Uhr.

Das Chaos beginnt ...

Es geht also los. Nach 1 Stunde Wartezeit um durch den Einwanderungscheck zu kommen, können wir uns endlich auf die Suche nach einem geeigneten fahrbaren Untersatz machen, der uns in die 2 Stunden entfernte New York City bringt, wo sich unser Hostel befindet. Mein Kollege, der neben bei bemerkt gebürtiger Engländer ist und somit fließend Englisch spricht, bringt es jedoch nicht zustande etwas derartiges zu organisieren. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens, fünf panischen „Hä, ich checks nicht“ von Carl und sinnlosem umherlaufens mit schweren Rucksäcken (23 kg!!), habe ich es endlich geschafft ihn zu motivieren einen Shuttlebus-Service zu fragen. 37 $ für 2 Personen bei einer Fahrtzeit von 2 Stunden – da kann man nicht meckern! Nach ein paar Meilen Stau auf dem Highway setzte uns der Shuttlebus wohlbehalten direkt vor der Tür unseres Hostels ab.

Das Gershwin Hostel
In der Lobby sieht das Hostel tatsächlich noch nach etwas aus. Kommt man allerdings in eine andere Etage, sieht die Sache schon wieder anders aus. Geschweige denn von den Zimmern. Ekelfaktor hoch 10! Wir waren untergebracht in einem 8 Betten Zimmer. Um es kurz zu fassen: Es war schmutzig, die Badezimmer/Klotür lies sich nicht schließen, bzw. überhaupt VERschließen und die Klimaanlagen, die direkt vor den Fenstern platziert sind, tragen nicht wirklich zum Schlafkomfort bei. Wenn ihr also die Wahl habt, geht NIEMALS..ich wiederhole: NIEMALS, ins Gershwin Hostel in New York City!

Für uns diente es jedoch zunächst einmal nur als Gespäcklagerungsstätte. Also kickten wir unsere Betonschweren Rucksäcke auf die Betten und machten uns auf den Weg, das New Yorker Nachtleben zu erkunden.

Manhatten – New York City
Das Erste was mir bewusst aufgefallen war: New York stinkt! Und damit mein ich nicht nur so ein bisschen müffeln, nein, New York STINKT, und zwar so richtig! Nach Müll, Kanalisation und Babybäuerchen. Nach ein paar Stunden hat man sich jedoch an den Geruch gewöhnt. Einigermaßen…

Was mir noch aufgefallen ist: New York ist irre! Das soll nicht negativ klingen, im Gegenteil: New York ist wunderschön aber irre. Herrlich irre! Die Menschen, die Taxis, die gigantischen Häuser und Gebäude, die Geschäfte, die vielen Lichter, The nacked cowboy… alles. Einfach alles.

Es gibt unglaublich viel zu sehen, und wenn man wie ich, so etwas noch nie zuvor gesehen hat, ist alles eine einzige Reizüberflutung. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinschauen soll und würde am liebsten 1000 Augen haben, die alles gleichzeitig sehen um all das erfassen zu können, was in diesem Moment über einen einbricht.

Am dem Abend sind wir locker 15-20 km gelaufen. Wir haben den Time Square besichtigt, waren auf dem Top of the Rocks, dem Rockefeller Center, haben von dort aus das Empire State, die Brooklyn Bridge, das Crysler Buildung und alles mögliche andere gesehen. Wenn man so etwas zu Fuß zurücklegt, merkt man erst mal wie groß so eine Stadt ist und das war gerade mal nur ein Gebiet von ca. 15 Blocks, das wir umlaufen und durchlaufen haben.

Gegen 3 Uhr haben wir bei einem McDonalds kurz was gesnackt und sind anschließend zur Unterkunft gelaufen um tot in unsere widerlichen Betten, in unserem widerlichen Hostel zu fallen. Aber ein bisschen Schlaf muss sein, morgen wird ein heftiger Tag, denn wir haben nur diesen Einen um GANZ New York City zu sehen…

2. Tag

Der große Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Es ist der 5. August 2011 und wir hatten nur 4 Stunden Schlaf. Vergleichbar wenig zu dem, was uns heute bevorsteht. Angefangen haben wir im Financial District. Bis dahin wäre es ein sehr weiter Weg von unserem Hostel aus gewesen. Um Energie, Zeit und Kraft zu sparen, nahmen wir uns ein Yellow Cab. Sie sind recht preiswert und bringen einen in Windeseile von A nach B. Und mit Windeseile meine ich den Höllenritt des Jahrhunderts!!! Diese Taxis fahren als ob es kein Morgen gäbe. Verständigt wird sich durch aggressives und laute Hupen, welches im 10 Sekunden-Takt betätigt wird. Oft dachte ich: Ok, das war’s, jetzt knallt’s! Aber die Fahrer haben tatsächlich keinen einzigen Unfall gebaut. Im Gegenteil, gekonnt schlängelten sie sich wie eine Viper durch den zähflüssigen Verkehr. Hier scheint das Hup-Prinzip zu funktionieren. Es scheint nur eins zu zählen: Maximal schnell voran zu kommen – und es funktioniert. An für sich eine kluge Methode bei dem ganzen Stau. Jedenfalls hätte ich nichts dagegen gehabt öfters auf ein Yellow Cab umzusteigen, anstatt immer diese gigantischen Distanzen zu Fuß zurück zu legen. New York ist so unendlich groß!

Unser Fahrer setzte uns im Financial District ab, dort wo der riesige stahl Stier steht um den sich unentwegt geschätzte 80 Japaner drum herum schubsen und sich wie wild an der Statue reiben, Grimassen ziehen und komische Posen für die Kamera machen. Äußerst amüsant!

Die Gebäude sind überwältigend. Jedes einzelne für sich. Man kommt sich so unglaublich winzig vor weil dort ALLES so riesig ist. Wirklich ALLES! Ein schnelles Bild vom Stier und wir steuerten weiter straight auf den Hafen zu. Denn von dort aus wollen wir starten. Das Feld von unten aufrollen.

Beginn: Liberty Island – Statue of Liberty
Mein erster Eindruck von der grünen Frau: Irgendwie voll klein. Diese geizigen Franzosen. In der City ist alles so unrealistisch gigantisch groß, dass einem die Freiheitsstatue nun absolut winzig vor kommt. Ein wenig enttäuscht von der Größe, aber dennoch überwältigt von ihrer Schönheit schossen wir auch hier wie die Japaner vieeeele Bilder und machten uns auf den Rückweg zurück zum Festland.

Nächstes Ziel: Ground Zero.
Puh, ein unbehagliches Gefühl, wenn man alles live sieht. Ground Zero ist kräftig in Bewegung. Momentan sind sie beim 65. Stockwerk. Ein schönes Gebäude. Auf Fotos fand ich es nicht so schön, aber jetzt wo ich davor stehe ist es wirklich sehr gut gelungen. Trotzdem kommt mir schier die Galle hoch bei dem Gedanken, dass ich die Twin Towers nicht mehr live sehen konnte und das nervt mich. Das absolute Wahrzeichen von New York, einfach platt gemacht. SPASTEN! Ob es nun die Amis selbst oder irgendwelche Bagdadkinder waren… Bekomm ich die Verantwortlichen in die Finger, dreh ich sie durch den Wolf! Verschwörungstheorie hin oder her.

Weiter geht es zur Wallstreet.
„Ich will zur Wallstreet“, meint Carl. Alles klar, er hat die Karte und ich frage ihn wo es lang geht. „Es muss irgendwo hinter diesem Gebäude liegen“. Aha… irgendwo. Da er sich stur und fest an die Stadtkarte klammert und mich nicht einen einzigen Blick rein werfen lässt, mit der Aussage: „Ich weiß wo’s lang geht!“, laufen wir 1 Stunde sinnlos um irgendwelche Blocks herum bis mir fast der Kragen platzt. Durch Zufall haben wir es letztendlich dann doch noch gefunden. Mein Kollege macht seine Bildchen die er haben wollte und weiter geht’s zur Brooklyn Bridge.

Da mir allerdings bis dahin die Füße wegen dem sinnlosen herum Gelaufe, entscheide ich mich dafür, mich in den Schatten zu setzen und Carl über die Brücke hechten zu lassen.

Jetzt China Town
Dazwischen ein schnelles Foto vom Gerichtsgebäude und schon stehen wir inmitten Chinesischer Zeichen. Tun wir das wirklich? Irgendwie total unchinesisch! Außer ein paar chinesischen Schriftzeichen, die darauf hindeuten könnten, das wir uns in Chinatown befinden, war das mehr als enttäuschend. Ich hatte chinesische Häuser und Dächer erwartet, Lampions und viele bunte Kitschläden. So wie man es in den Filmen immer sieht. Aber nichts dergleichen. Schade.

Central Park
Dieser liegt allerdings am anderen Ende der Stadt. Ein seeeehr sehr weiter Weg. Wir entscheiden uns für ein Yellow Cab. Diesmal ist es nicht so einfach eins zu erwischen. Die meisten wollten nicht so weit fahren und einige hatten Dienstschluss und wären maximal noch 5 Blocks weit gefahren. Doch nach 20 Minuten erbarmt sich endlich ein Fahrer uns mitzunehmen.

Der Fahrer setzt uns in Höhe des Bootshauses vom Central Park ab. Dort machen wir eine kleine Pause in Form eines kleinen Snacks und viel zu trinken – denn es ist Hochsommer und MEGA warm. Wahnsinn wie in so einer monströsen Großstadt, so ein kleines, wunderschönes Fleckchen Erde sein kann. Absolut Traumhaft. Auf unserem Streifzug begegnete uns ein kleines Eichhörnchen, das scheinbar alle Scheu vor den Menschen verloren hatte. Mein Kollege wollte es Fotografieren und der kleine Nager sprang direkt vor ihm auf den Zaun. Er war keine 10 cm mehr von meinem Kollegen entfernt und setzte zu einem weiteren Sprung an. Mein Kollege, völlig fasziniert und euphorisch, dass das kleine Wesen sich so nah an ihn herangetraut hatte, bemerkte nicht, dass es sein Gesicht anvisierte. Doch kurz bevor tatsächlich rein springen konnte, was mich mit Sicherheit hätte völlig nieder brechen lassen, kam ein anderer dämlicher Mensch dazu und machte irgendwelche schmatzenden Geräusche, dass das Tier veranlasste sein Vorhaben abzubrechen und kehrt zu machen. Schade..das wäre das Bild 2011 geworden. Kollege mit ruderndem Eichhörnchen im Gesicht.

Wir erreichten das Ende des Central Parks und schlenderten die 5th Avenue herunter. Besichtigten diese wunderschöne Kirche, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe und die so dermaßen verloren in Mitten dieser riesigen, brachialen Gebäude erschien – Kamen schließlich zum Broadway und beendeten unsere Tour typisch Amerikanisch: mit einem leckeren Essen in einem Diner, wie man es aus Filmen kennt. Waffles! Ich bin im Himmel. Zurück über den Time Sqaure, am Chrysler Building vorbei, kehrten wir nach 60 gelaufenen Kilometern, erschöpft in unserem Hostel zurück.

Meine Füße brachten mich um, ich war übermüdet, gereizt vom vielen unnötigen Laufen und zudem völlig überflutet von all den heutigen Eindrücken. Wir mussten also dringend Energie für morgen tanken, denn da fliegen wir nach Las Vegas wo unser Roadtrip beginnt. Der zweite Tag endete somit, wie der Erste begonnen hatte: gestresst, Reizüberflutet und total erschöpft.

3. Tag

Erst der 3. Tag und mir kommt es schon vor, als ob ich schon einen Monat ununterbrochen durch New York gejoggt wäre. Als ich aufwache brennen mir die Beine wie feuer. Es ist 9 Uhr. Unser Flug nach Las Vegas geht erst um 15 Uhr. Um 11 Uhr müssen wir aus unserem ekel Hostel auschecken. Wir haben also noch ein wenig Zeit uns weitere Sehenswürdigkeiten in New York anzusehen. Meine Füße bluteten zwar schon, abgesehen von meinen in Flammen stehenden Beinen, aber wenn man nur so wenig Zeit hat, möchte man so viel mitnehmen wie nur möglich. Also Arschbacken zusammenkneifen und weiter geht’s.

Wir geben unsere Monster Rucksäcke an der Rezeption ab und machen uns auf den Weg zur Union Station. WOW, kann ich dazu nur sagen… Wie kann ein Bahnhof nur derart edel und wunderschön sein? Wahnsinn. Weiter geht es zum UN-Gebäube und weiteren planlosen Streifzügen durch die Stadt bis zurück zu unserem Hostel. Ein Shuttlebus holt uns ab und bringt uns wieder zurück zum JFK-Flughafen.

Der Flughafen ist allerdings größer, als wir zu Anfang angenommen hatten. Er besteht aus mehreren Gates und der Fahrer fragt uns an welchem er uns rauslassen sollte. Da Carl alles verwaltete, wusste ich es nicht und konnte dem Fahrer nicht mehr als ein Schulterzucken anbieten. Also wandte ich mich mit fragendem Blick zu Carl um. Dieser jedoch reagierte nicht mal. „CARL!“ ,brüllte ich seinen Namen und erklärte dem gebürtigen Engländer, was der Fahrer von ihm wissen wollte. Oh, nein, der panische Blick… er weiß es nicht! Na toll. Natürlich hatte er die Tickets hinten im Kofferraum vergraben. Unter den anderen 6 Koffern von den Leuten, die sich auch bei uns im Shuttlebus befanden. Während der Fahrer den nächsten Gast bei einem Gate rausließ, nutzte mein Kollege die Chance um panisch nach den Tickets zu wühlen. Er fand sie. ok, wir sind einen Schritt weiter. „Hä? Ich check’s nicht! (Oh nein, was jetzt schon wieder?!) Hier stehen irgendwelche Zahlen aber kein Gate.“ Ich atme tief durch, warf auch einen Blick auf das Papier und deutete auf eine Stelle wo „Gate“ drüberstand. „ACHSO… daaaa…oh, hab ich gar nicht gesehen…“ (Wie kann man eigentlich immer nur verböllert sein?) Egal, er nannte das Gate, der Fahrer brachte uns hin, alles Gut…

Von wegen. Jetzt geht’s erst richtig los. Die Amerikanischen Flughäfen sind nämlich Hightech pur. Eigentlich perfekt für einen Programmierer, sollte man meinen. Leider nein. Wieder große Panik in den Augen meines Kollegen. Denn da stand, man solle seinen Reisepass durchschieben und die Kreditkarte reinstecken. ZUVIEL VERLANGT! „Kann man hier nicht an irgendeinen Schalter, wo ein Mensch steht, der dass macht? Und wieso brauchen die meine Kreditkarte? Die im Reisebüro hat gemeint es sei schon alles bezahlt!“ Ich erkläre ihm, dass man das nur für die Datenaufnahme braucht, falls irgendwas passiert oder so faxen. Doch er wand sich weiter und weigerte sich noch ein paar Minuten, anstatt es einfach mal auszuprobieren. „Dann frag doch da vorne die Flughafenmitarbeiterin, die da steht. Dafür sind die da.“ … „Nein!“ (Ok, so kommen wir auch nicht weiter.) Nach weiteren Minuten des guten Zuredens, hat er es wenigstens probiert. Doch es funktionierte nicht. „Hä? Ich check’s nicht! Ich steck die Karte rein, schieb den Pass durch aber da Steht ‚Error‘!“ (Noch einmal „Hä, ich checks nicht.“ und ich zieh deine Zunge durch den Passschlitz).

Ich winke die Flughafenmitarbeiterin zu uns… Sie steckt die Kreditkarte rein, zieht sie raus, zieht den Pass durch und wir haben unsere Tickets. Ich strafe meinen Kollegen mit dem Todesblick für seine Unfähigkeit. (Ich weiß, ich hätte es ja auch mal versuchen können, aber der Spaßfaktor war einfach zu groß in diesem Moment!!!) Wir legen unser Gepäck auf das Band (alles so unkompliziert, eigentlich) und machen uns auf den Weg zu unserem Terminal via Airtrain.