6. Tag

Wir verlassen Lewining und machen uns auf den Weg zum Yosemit National Park. 4 Stunden fahrt steht uns bevor. Nach 15 min sind wir auf 2000 Höhenmetern und teilweise liegt Schnee auf den Bergen. Ich staune nicht schlecht, als ich feststelle das sich schon wieder alles ändert. Die Landschaft ist so überwältigend, dass wir kaum voran kommen, weil ich ständig halten möchte um die Landschaft zu fotografieren. Ich will alles festhalten und verfalle in einen regelrechten Knipsrausch. Somit brauchen wir 6 anstatt der vom Navi gepredigten 4 Stunden. Macht nix, dafür habe ich 200 schöne Landschaftsbilder, für die sich der Zeitverlust wirklich gelohnt hat.

Wir fahren durch den Eingang des Yosemite Parks und es kommt mir vor als wäre ich in einer anderen Welt. Ich dachte schon vorher, die Landschaft sei nicht mehr zu toppen, aber jetzt kommen mir fast die Tränen. Die Welt kann so unfassbar schön sein, dass ich es in manchen Momenten einfach nicht ertragen kann!

Auf unserem Weg sehen wir diesen Berg! Er SCHREIT förmlich: „BITTE, kletter auf mir rum!“ Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und schwupps waren wir oben. Mit Flipp Flopps war der glatte Berg etwas tricky für mich, aber es hat sich mal wieder gelohnt. Wunderschön!

Ein wenig beunruhigend waren allerdings die vielen Waldbrände um uns herum. Riesige Flächen waren abgebrannt und dicke Rauchsäulen wanderten aus dem Wald vor uns. Dort wo eigentlich unser Camp liegt…

Als wir allerdings das Schild sahen, das darauf hinwies das es sich hierbei um kontrollierte Brände handelt, waren wir zwar etwas beruhigter, aber Brand bleibt immer noch BRAND! Vor allem in der Nähe unseres Camps. Wir fanden jedoch später heraus, das unser Camp inmitten von Bergen war. Die Brände waren somit in 2 km Höhe. Der Rauch, der dadurch entstand, tauchte die Landschaft in ein ganz anderes Licht. Golden! Das Gefühl das man durch diese Lichtstimmung erhielt ist unbeschreiblich!

Das Camp „Curry Village“ ist der Wahnsinn! Kaum geparkt steht 2 m neben uns ein Reh und kaut auf seinem Baumgemüse herum. Während es uns gelangweilt dabei zuschaut, wie Carlund ich hysterisch knipsend um es herum hechten und uns freuen wie zwei völlig behinderte Kinder. Es hat keine Scheu, ich bin irritiert!

Überall rennen kleine Erdmännchen- /Eichhörnchenartige Nager herum, die den ultimativen Niedlichkeitsfaktor ausstrahlen. Sie wissen es ganz genau, denn sie sind rotzefrech und kein bisschen scheu. Mir fällt auf wie resigniert die meisten Menschen hier sind. Sie laufen durch die Gegend wie Zombies. Sie müssen doch wahrnehmen wie traumhaft es hier ist. Die Tiere die einem hier überall vor der Nase herumrennen. Nichts! Wenn sie doch einmal ein Tier wahrnehmen, treten sie danach. Ich muss mich beherrschen niemanden weich zu prügeln – wobei es ein leichtes hier wäre jemanden geschwind im Wald verschwinden zu lassen. Beim Wandern gestürzt, vom Bären gefressen, leider in den reißenden Fluß gefallen – oh wie schade… Nein, ich verschwende meine Energie nicht für den dämlichen Pöbel, jeder erhält irgendwann seine gerechte Strafe!

Bärenwarnungen wo man hinsieht. Die Ranger weisen jeden Neuankömmling sehr penibel darauf hin, wie man sich zu verhalten hat, wenn man einem Bären begegnet. Das Essen und alle Kosmetischen Sachen sind in einer Bärenbox aufzubewahren. Tut man dies nicht, gibt es eine Geldstrafe von 5000 $! Verständlich, denn die Ranger riskieren ihr Leben falls es mal zum Ernstfall kommen sollte. Anfangs dachte ich auch, es wäre eine reine Vorsichtsmaßnahme und die klassische Übertreibung der Amis, die ohnehin immer übers Ziel hinausschießen, aber beim kurzen Erkundungstrip des Camp-Geländes stoßen wir schon auf den ersten Bären. Er sitzt im Baum, kratzt sich den Arsch und ist einfach nur riesig! Noch geschlaucht von unserem gestrigen „kleinen“ Spaziergang um den Mono Lake, beschließen wir, es heute langsam an zu gehen und belassen es bei dieser kleinen Erkundung.

Wir packen aus und begeben uns zum Abendessen. All you can eat für 15 $. Ich bin so satt, dass Carl mich zum Zelt zurück schieben muss. Um 22 Uhr ist Nachtruhe also schmeißen wir uns in die Betten. Sobald es dunkel ist kommen die Bären, doch die Ranger fahren die ganze Nacht Streife um die Zeltgänge herum. Trotzdem schlafe ich mit einem mulmigen Gefühl ein. Von draußen hört man jedes noch so kleine Knacken.

Hikingtour zum Upper Waterfall

7. Tag

Meine Fresse habe ich heute Nacht gefroren… Sobald die Sonne untergegangen war, kühlte alles auf knackige 5 °C herunter. Bibbernd wand ich mich, eingeknödelt unter 2 zusätzlichen dicken Wolldecken, aus meinem Schlafsack und musste mich mächtig überwinden, vor zum Waschraum zu laufen und nicht eingeknödelt liegen zu bleiben um zu warten bis es wieder warm wird.

Für heute haben wir uns eine Hiking Tour ausgesucht. Es soll zum Upper Waterfall gehen. Schon von unserem Camp aus konnten wir den imposanten Wasserfall, der der 6 längste auf der Welt ist, sehen. Vor uns steht ein 2 km hoher Berg. Die Strecke war als sehr anstrengend, steil und gefährlich gekennzeichnet aber wir waren zuversichtlich. „Wir schon nicht so schlimm werden“! … Bevor es los geht warnen Schilder auch hier wieder vor Bären und Pumas. Auch wird gesagt, dass man die Route auf GAR KEINEN FALL verlassen soll, denn beim Verlassen droht Lebensgefahr. Der Weg, so stellte sich nachher heraus, bestand mehr aus klettern und krabbeln, als aus „laufen“ und war tatsächlich mehr als nur „sehr anstrengend“. Es war kurz gesagt „Die schönste Hölle auf Erden“. Das wird noch ein hartes Stück…

Halbzeit!!!

Für meinen Geschmack war es genau richtig. Es hat, obwohl ich sehr oft verschnaufen musste und mit Sicherheit meinen armen Kollegen mit meinem rumgejaule in den Wahnsinn getrieben habe, extrem viel Spaß gemacht. Aus dem einfachen Grund, weil alles geboten war: Abenteuer, Aktion, Natur, Landschaft, Spaß, Fitness und Anstrengung.

Da müssen wir noch hoch? UÄHÄHÄÄÄÄÄ Ich will nicht meeeeehr!!!

Nach 4 Stunden hatten wir unseren Aufstieg unter Qualen erreicht. Die Aussicht war, wegen der Waldbrände ein wenig neblig aber immer noch absolut Umwerfend. Man kann es kaum Verarbeiten und ich habe Angst diese Erinnerung nicht genug festhalten zu können. Hier oben hätte ich gerne ein Haus, bitte – Danke!

Wie ich vorher schon erwähnte, ist der Upper Waterfall der 6. Höchste und Längste der Welt. 2 km straight runter, das geht in die Knie, wenn man daran runter sieht. Der Aufstieg war so anstrengend und heftig, dass ich ein paar mal wirklich beinahe wieder einfach nur umgedreht wäre. Doch bei diesem Anblick ist jeder Schmerz und alle Wut darüber vergessen. Wer also mal nach Amerika kommt und zufällig in den Yosemite Park geht, dem empfehle ich nur Wärmstens diese Tour zu machen. Egal wie schmerzhaft und schweißtreibend alles ist, egal wie sehr ihr euch die Lunge aus der Brust kotzt – am Ende bleibt nur dieser fantastische Eindruck, der einen wie eine Lawine überrollt. Man steht da wie gelähmt, kann es nicht fassen und schnappt ungläubig nach Luft. Überwältigt von dieser unglaublichen Schönheit, was die Welt schon wieder zu bieten hat. Anbetungswürdig.

Ein falscher Tritt und s Leben is vorbei…
Hier geht es 2 km weit runter …

Natürlich muss ich so nah wie möglich ran … die Felsen waren etwas rutschig… aber was tut man nicht alles für das perfekte Bild … Wir sind dem Wasserfall ein bisschen weiter nach hinten gefolgt wo er noch ein recht großer Fluss ist und haben dort eine relativ lange Pause gemacht. Wir genießen das kalte Wasser und essen ein wenig von unserem Toast mit Marmelade aus der Tube das wir uns bereits in Vegas zugelegt hatten.

Wir machten noch einen weiteren kleinen Aufstieg, ganz nach oben auf den Gipfel zum Yosemite Point.  Ein kleines wackeliges Geländer, ganz am Rand der Klippe. Carl schnappt nach Luft, ich juchze. Ich hatte ja keine Ahnung das auch ein Sonnenbrand blass werden kann … da hat wohl jemand die Höhenangst seines Lebens.
Ich ärgere Carl. Er hasst mich dafür.

Meine Beine zittern  wie Espenlaub als wir nach 2 Stunden Abstieg das Camp erreichen. Unkontrolliertes schlottern beim Abendessen und ich habe jetzt schon Angst vor dem Muskelkater, der mich morgen sicher erwartet. Doch zu Erst brauch ich GAAAAANZ dringend eine Dusche…

Morgen geht es nach San Francisco und zwar an der Küste entlang. Hier hätte ich gerne viel mehr Zeit verbracht.