8. Tag

Nach einen ausgedehnten Frühstück – ebenfalls all u can eat, setzen wir unsere Roadtrip fort. Ziel: San Francisco. Bevor wir unsere Tour Richtung San Francisco jedoch fortsetzten, wollten wir noch einen Abstecher bei den gigantischen Riesen Bäumen machen. „The Grizzly Giant“ … wahrhaft ein unfassbar riesiger Baum. Seine Äste sind so dick wie „normale“ Bäume. Ich spüre in meinen Beinen etwas, was sich wie flüssige Säure anfühlt, die langsam immer wieder rauf und runter fließt. Ich leide still vor mich hin und bitte Carl, den Tag heute ein wenig ruhiger zu gestalten. War klar, das unsere Hardcore-Hiking-Tour ihre Spuren hinterlassen würde.

Das Navi sagt: 4 Stunden. Na dann schnell hinters Lenkrad. Wir verlassen den National Park und die Landschaft ändert sich, wie sollte es auch anders sein, komplett. Vor uns erstreckt sich eine weite Ebene voller Hügel besetzt mit gelbem Gras und grünen knotterigen Bäumen. Es sieht aus als würden wir mitten durch die Wüste fahren.

Wir sehen einen kleinen „Mini-Tornado“ … Ist er nicht süß? Als er näher kommt, ist er nicht mehr so süß. Schnell weg!

Da uns geraten wurde, an der Küste entlang zu fahren, suchten wir im Navi eine Route heraus, die dort entlang führte. Das ist zwar ein kleiner Umweg, aber wenn es sich lohnen sollte, wieso also nicht. Kurz bevor wir die Küste erreichten, wollten wir allerdings noch einmal Tanken. Mein Kollege übernahm das, weil ich auf die Toilette musste. Als ich zurück kam sprang mir als erstes wieder ein völlig verzweifeltes: „HÄ? Ich check’s nicht!“ entgegen. (Oh nein, was denn jetzt schon wieder. Ist ja nicht so das wir das erste Mal tanken waren…)

Die Kurzfassung: Nach 7 „Hä, ich check’s nicht“, hatte er sich überwinden können, drinnen den Tankwart zu fragen, wie die Zapfanlage funktionierte. An sich simpel: Zapfhahn abnehmen, reinstecken, tanken, drinnen zahlen. Was ihn jedoch so außerordentlich irritiert hatte war der Betrag vom Vorgänger, der noch auf der Zapfsäule stand. Anstatt es einfach auszuprobieren, hob er geschlagene 10 min immer wieder den Zapfhahn ab und hängte ihn wieder ein. Ich massierte mir die Schläfen und ignorierte ihn weit gehend.

Wir sind an der Küste. Hier ist es zwar schön, aber super windig. Die Landschaft erinnert mich stark an die Nordsee. Es ist sehr windig, bewölkt (zum ersten Mal) und teilweise Nieselt es ein wenig. Die Vegetation erinnert irgendwie ein wenig an einen Regenwald.

Den Highway 101 fuhren wir ca. 1 Stunde entlang bis wir die Skyline von San Francisco erblicken. Wir hatten unser Ziel tatsächlich LEBEND erreicht.

Es ist 19 Uhr Abends und mein Kollege ist das letzte Stück gefahren. Nun versucht er verzweifelt und inzwischen hyper-aggressiv einen Parkplatz zu finden. Ich halte mit Ausschau und entdecke 2 Stück. Er fährt vorbei. Wir fahren erneut um den Block zu den 2 freien Parkplätzen und wieder fährt er vorbei. „HÄ? Ich check’s nicht. Die hab ich jetzt nicht gesehen!“ Kein Problem, ich reibe mir erneut die Schläfen und bitte ihn noch einmal um den Block zu fahren. Diesmal sind die Parkplätze weg. Er flippt aus und ich erinnere ihn dran, dass er unfähig ist. Ich trete ihn vom Lenkrad weg und mache es selbst. Ich fahre um die Ecke und parke die Karre in eine Lücke, die vor mir frei wird. Ich zwinkere meinem Kollegen zu, dessen Blick sagt „Ich schlitze dich auf“ und werfe ihm, um meiner Provokation den letzten Schliff zu verleihen, einen Handkuss zu. Er motzt vor sich hin, wir raufen unser Gepäck zusammen und begeben uns in das Hostel, das mein Kollege ausgesucht hat.

Das Elements Hostel im Mexikanischen Viertel. Ich bin müde, hungrig und habe kein Bock mehr auf irgendwas. Das Hostel ist „ok“, würde ich aber auch nicht weiterempfehlen. Es sei denn man steht auf Mexikanische Gangs, Waffen, rumgeballer, ständige Polizeisirenen, Drogen und Tacos. Das Viertel ist wirklich mies und ich fühle mich so unwohl, dass ich das Zimmer am Liebsten nie wieder verlassen würde. Wäre da nicht dieses kleine Problem namens HUNGER!

Inzwischen ist es kurz vor 22 Uhr und ich drehe fast durch vor Hunger da wir außer unserem Frühstück heute Morgen, noch nichts gegessen haben. Doch schon nach kurzer Zeit müssen wir wohl oder übel feststellen, dass hier ausser irgendwelchen Mexikanischen Bars hier nichts mehr offen hat. In denen gibt es nur Tacos, Mais Tapas und Wraps, die natürlich unwesentlich luzifermäßig SCHARF sind. Darauf, hatte ich aber, trotz Loch im Magen, so gar kein Bock drauf. Nachdem wir unsere Straße 3 Mal rauf und wieder runter abgelaufen waren, uns 3 Drogendealer gefragt hatten ob wir Drogen wollen, zerrte ich meinen Kollegen in die Bar unter unserem Hostel. Warum immer kompliziert, wenn es auch einfach geht. Wieder umsonst rum gelaufen. Wie es mir inzwischen den Hals raus hängt.

Das Essen war fantastisch. Die Preise waren zu den Vergleichsweise relativ kleinen Portionen recht überteuert, aber besser als Tacos!

Um 12 Uhr fielen wir gesättigt ins Bett. Für morgen war eine Sightseeingtour mit einem Bus geplant. Wir wollten es langsam angehen, weil meine Beine inzwischen brannten wie feuer… Ich bin gespannt.

9. Tag – Ich bring ihn um!

Gestern hatten wir beschlossen (ich berichtete), es aufgrund meines ekelhaften Muskelkaters, heute ein wenig langsamer an zu gehen. Zuvor wollte ich aber erst einmal etwas Frühstücken. Das Hostel meinte sie würden ein Frühstück anbieten, doch mein Kollege zierte sich dumm rum. Er meinte wir können ja etwas in der Stadt essen. Mein Instinkt schreit: HÖR NICHT AUF IHN! Ich ignoriere ihn wieder und setze mich mit hörbar knurrendem Magen hinters Lenkrad. Ich möchte nochmal erwähnen, dass ich der ultimative Frühstücksmensch bin und extrem durchdrehen kann, wenn ich binnen 1 Stunde nichts Brotartiges zwischen die Kiefer bekomme.

Mein Kollege gibt ins Navi „Pier 39“ und die dazugehörige Straße ein. Das Navi sagt 10 min. Wir fahren mehrmals im Kreis. „HÄ? Ich check’s nicht! Wieso führt uns das Navi hier hin? Hier sind wir nicht richtig.“ TATSÄCHLICH? Mein Magen knurrt, meine Laune geht im Sekundentakt weiter in den Keller. Wir fahren an einem Burger King vorbei. Mein Instinkt schreit: HALTE HIER! Ich ignoriere es erneut. Wir sind ja gleich da… An einer Kreuzung sagt das Navi gerade aus. Die Spur lässt mich aber nur nach links abbiegen. Mein Kollege sagt, „Dann fahr da lang.“  Wir befinden uns auf einer 8 km langen Brücke die raus aus San Francisco führt. Mein Auge beginnt zu zucken. Mein Kollege sagt: „Fahr bei der nächsten Ausfahrt einfach raus!“ Ich sehe ihn mit meinem zuckenden Auge an und erkläre ihm, noch ruhig, dass wir uns auf einer BRÜCKE BEFINDEN, die 8 KM LANG IST und ONLY ONE WAY! Ich spüre den Drang zu töten und unterdrücke ihn gewaltvoll.

Wir befinden uns nun auf dem Monströsen Highway auf der anderen Seite von San Francisco. Über 8 km Wasser liegt nun zwischen uns und der Stadt. Mein Magen knurrt wieder. Er verhöhnt mich, ich höre es ganz genau! Das Navi berechnet die Route neu und sagt, dass wir nun 2 ½ Stunden lang diese Bucht umfahren müssen, bis wir wieder nach San Francisco kommen. Juhu, One way! Ich merke das zu meinem zuckenden Auge, meine Hände beginnen zu zittern. Klasse.. Stufe 2 der Aggression. Ich werfe meinem Kollegen vor, dass es mich ankotzt nichts ihm Hostel gegessen zu haben, obwohl dort ein Frühstück angeboten wird und erkläre ihm, das mein Hunger mich gerade umbringt. Noch sage ich es ruhig. Er gibt mir die Schuld.
ERROR!

Er überspringt somit spontan 3 ganze Aggressionsstufen bei mir und landen DIREKT auf der Fünften.

(Die, bei der ich außer Kontrolle gerate, weil sich so ein kleiner Schalter in meinem Hirn umlegt und ich unüberlegte Dinge tu. So etwas ist bislang nur einmal passiert und dabei hätte ich fast einen Menschen getötet, weil ich nicht mehr aufhören konnte auf ihn einzuschlagen. Aber auch nur, weil er versucht hatte mich zu vergewaltigen. Ein Passant hielt mich letztendlich davon ab, das breiartige Gemisch aus Blut, Fleisch und Hautfetzen das vorher mal ein Gesicht gewesen sein muss den letzten Gnadenstoß zu verpassen. Der Kerl mit dem zermatschten Gesicht verklagte mich anschließend noch auf Körperverletzung. Ich gewann. Das manche Typen es einfach nicht blicken, dass ein NEIN von mir auch so gemeint ist und ansonsten schlimme Dinge passieren, wenn man mich gegen meinen Willen anfasst.)

Das ist jetzt jedoch mein Problem. Mein Körper, mein Gehirn.., alles will ihn kaputt machen – aber leider fahre ich! Ich brülle los, fluche ihn zusammen, schrei ihm ins Gesicht, dass ich ihn verdammt nochmal in Death Valley hätte vergraben sollen, wünschte ich könnte ihm jetzt die Zunge aus der Kehle reißen und seine Gedärme aus seinem Körper ziehen… Ich schlage aufs Lenkrad ein und dann kommt mir die Idee… Ich fahre und einfach gegen die Wand! So muss ich diese Idiotie nicht mehr ertragen. Ich beschleunige. Er versucht mich zu besänftigen. Ich zische ihm zu, dass er mich nicht anfassen soll. Ich glaube er merkt was ich vorhabe. Währenddessen brülle ich unentwegt weiter und starre stur geradeaus. Endlich schaltet sich mein Hirn wieder ein! Es schreit … zuerst hört es sich nur dumpf und sehr weit weg an. Doch es wird immer lauter. Bis es endlich mein Unterbewusstsein erreicht hat. Es hält mir vor Augen, was ich eigentlich noch alles erleben wollte, wie viel ich noch von der Welt sehen will, was ich alles noch vorhabe. Nein! Ich beschließe nicht mehr die Option Mauer zu nehmen. Doch wohin nun mit all dieser Aggression? Das brüllen hilft mir hier nicht weiter!

Wenn ich daran zurück denke wie oft wir unnötig umher gelaufen sind und wie viel Zeit uns damit verloren gegangen ist, nur weil mein Kollege zu verballert in der Rübe war, sich auch mal über die Schulter schauen zu lassen. Diese Tatsache erzürnt mich noch viel mehr als alles andere. Doch ich schaffe es mich weitgehend unter Kontrolle zu halten.

Inzwischen meldet sich nun außer dem Hunger nun auch noch meine Blase. Ich bin unendlich angenervt und habe seither kein Wort mit meinem Kollegen gewechselt. Falls er es dennoch wagen sollte etwas zu sagen, strafe ich ihn mit dem Todesblick. (Schade, das er nicht tötet…)

Wir kommen am Pier an, finden jedoch keinen Parkplatz. Mein Kollege bietet an, das Auto zu parken, damit ich auf’s Klo gehen kann. „Das werde ich ja wohl hinbekommen.“ Meinte er zu mir, als ich ihn fragte ob er sicher sei. Also gut. Schnell aufs Klo und was zu essen geholt, geht es auf den Weg eine Bustour zu buchen. „Ich hasse San Francisco“, murmle ich vor mir her, während mein Kollege ein Busunternehmen nach dem anderen fragt. Die meisten sind nicht die, die er will und einige sind schon ausgebucht. Schließlich nehmen wir doch die vom Anfang (wer hätte es gedacht – doch nein, ich bleibe ruhig!)

Der Guide ist klasse und plaudert viele Infos und Tipps aus. Über die Tour kann man also wirklich nicht meckern. Das hat Spaß gemacht. 2 ½ Stunden pilgern wir so in einem Klischeehaften Japaner Bus durch San Francisco. Entspannend. Meine Beine sind nämlich die HÖLLE! Jede unnötige Bewegung bringt mich zum Aufschreien. Genau so stelle ich mir einen ruhigen Tag vor (abgesehen von unserem kleinen Umweg mit Ausraster). Als die Tour zu Ende ist, will mein Kollege nur noch „kurz“ zu der Straße mit den Kurven. Zum Glück ist San Fran ja so ebenerdig. (Obacht Ironie) Nach 15 min Fußweg und vor Schmerzen wimmernd, haben wir seine „Kurven Straße“ erreicht. Er macht seine 2 Bildchen und wir entschließen uns, wenn wir jetzt eh schon wieder unterwegs sind, können wir auch gleich Chinatown erkunden.

Also, auf nach Chinatown: GUTER PLAN! Endlich ein Chinatown, das so aussieht, wie man es aus den Filmen kennt! Aber leider mal wieder 20 km mehr gelaufen als geplant. Ich war schwer am leiden aber Chinatown hatte sich voll und ganz gelohnt und für einen kurzen Augenblick vergaß ich sogar fast meinen Muskelkater. Auf dem Weg zurück zum Pier war er jedoch wieder Omnipräsent.

Zurück am Pier wollten wir noch etwas essen und entschieden uns rasch für eine Sportsbar. Lecker! Nach unserem Mahl schlenderten wir noch ein wenig am Pier entlang und durchstöberten auch hier etliche Souvenirläden, bis wir uns auf den Weg zum Auto machten. Wir mussten nur zum Auto und zurück zum Hostel fahren. Nur zum Auto.. Nur zum..

„Ich glaube dahinten hab ich’s geparkt!“ … „Au, ne, hier war’s nich…“ … „Ich war mir sicher hier wars…“ … „Hä? Wo sind wir jetzt?“ (Irgendwann bring ich ihn um!!!!) Ihr erinnert euch an den Satz: „Das werd ich ja wohl noch hinbekommen!“? Soviel zum Thema! Mein Kollege hatte das Auto gepark und natürlich, wie konnte es auch anders sein, vergessen, WO er es hingeparkt hatte uind nun völlig irritiert inmitten von 6 identisch aussehenden Parkhäusern. Meine Füße und Beine schmerzten, mir war kalt, ich war Müde, erschöpft und immer noch grunderzürnt von meinem Ausbruch heute Mittag.

Doch durch diese Aktion packten wir locker nochmal 2-3 km obendrauf, für eine planlose Suche nach dem verlorengegangenen Auto. Wir schlichen um einige Blocks, bis ich meinen Kollegen in einem scharfen Ton darum bat, doch einmal bitte kurz anzuhalten und NACHZUDENKEN, anstatt mal wieder nur sinnlos, panisch umherzulaufen. Das Parkhaus in dem mein Kollege die Karre geparkt hatte kostete 30 $.

Es war 1 Uhr als ich und zurück zum Hostel fuhr. Ich schlief mit dem Gedanken „Irgendwann … “ ein.