5. Tag

Um 10 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Mono Lake. Die Fahrt wird heute nicht so anstrengend wie die gestrige. Das Navi sagt: In 3 Stunden haben wir das Ziel erreicht. Easy!

Beim Verlassen des Motels ist uns aufgefallen, dass auf den vor uns liegenden Bergen tatsächlich Schnee liegt. Gerade waren wir noch bei angenehmen 62 °C und keine 20 Meilen weiter liegt Schnee auf den Bergen. Die Landschaft ändert sich so schlagartig – ich kann es kaum fassen. Obwohl wir das eigentlich inzwischen schon gewohnt sein sollten, sind wir dennoch immer wieder überrascht.

Wir kommen an einigen wirklich sehr schönen Stellen vorbei die uns dazu zwingen anzuhalten um Fotos zu schießen.

Nach ein paar Kilometern meint Carl plötzlich: „Irgendwo im Wald, da gibt es noch einen See, der ist voll schön“. Ich denke er meinte den Owens Lake. Ich fuhr, mein Kollege navigierte mit der ausgebreiteten Karte auf seinem Schoß: „Hier müssen wir links!“ … (Sicher? Die Straße ist nicht geteert und du darfst nicht vergessen: Wir fahren keinen PANZER! Wir fahren nicht mal einen Jeep!!! Wenn ich auf diesem Geröllweg schneller als 10 km/h fahr, schotterts mir nicht nur den Lack, sondern auch die Reifen inklusive Felgen mit runter!) „Ja, aber da gehts lang!“ …“ Lass mich doch auch mal auf die Karte schaun!?“ „NEIN, ICH WEIß DEN WEG!!!“ O…k… ich unterdrückte ein hartnäckiges Zucken im linken Auge und ignorierte auch die innere Stimme, die mir sagte: Tu das NICHT(!!!), und tat was er sagte.

Ich biege auf die „Straße“ ab und wir fahren einen sehr schlimmen Weg in den Wald hinein. „Hoffentlich kommt uns keiner entge… Na toll!“ Kaum hatte ich es ausgesprochen, passierte es. Wie in einem schlechten Film. Halloooo? Wo is die Kamera? Das darf doch alles nicht wahr sein! Die Straße war zu eng als das 2 Autos nebeneinander durchpassen konnten. Jetzt hatten wir ein Problem. Mit Mühe und Not und seeeeeehr viel Feingefühl manövrierten wir die Autos aneinander vorbei ohne in den steilen Hang links und rechts seitlich abzurutschen. Nach 5 km und 3 weiteren Schweißausbrüchen und 7 „Hä? Ich check’s nicht, der See müsste doch eigentlich hier sein… ?“ (Bald tackere ich ihm die Zunge an Gaumen) hielt ich an und machte meinem Kollegen klar, dass es hier keinen See geben KANN! Wir schossen ein paar Bilder in dem hübschen Wald (dafür hatte es sich wenigstens ein bisschen gelohnt) und fuhren die „Straße“ wieder laaaaaaaaaaangsaaaaam zurück. Die Karre schaukelte uns durch als wäre sie zu einem Kamel mutiert. Geschafft. (Ich hätte ihn in Death Valley vergraben sollen!!!)

Um 13 Uhr erreichen wir das Visitor Center des Mono Lakes. Es liegt auf einem Berg, ca. 15 km vom See entfernt. Später haben wir festgestellt, der See sieht näher aus als er tatsächlich ist. Pech für uns. Da hatte sich mein Kollege wohl wieder einmal ein WENIG verschätzt.

Der Weg, eigentlich KEIN Weg, bestand aus einer Offroad Strecke die wir uns quer durch Gestrüpp und Büsche  bahnten. Einzige Voraussetzung: Nicht DURCH die Büsche, denn wenn es rasselt ist es zu spät! Und meine Fresse, es HAT sogar gerasselt! Ist ja auch das perfekte Gelände für Klapperschlagen. Überall kleine Nager und mittendrin 2 dämliche Touristen die meinen 15 km quer Feld ein zu einem See LAUFEN zu müssen – der perfekte Mittagssnack für diese tödlichen Biester.

Direkter Blick vom Visitor Center aus. Der See sieht an sich nicht so weit aus.
1 Stunde später – Wir kommen der Sache näher …
Nach 3 ½ Std Fußweg in senkender Hitze, haben wir den verdammten See endlich erreicht.

Eigentlich hatten wir geplant ins Wasser zu springen, sollten wir den See jemals lebend erreichen. Doch was wir sahen machte uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung und war weniger erfreulich. Milliarden von Mücken und Mückenlarven hatten sich über den gesamten See ausgebreitet und machten das Wasser somit absolut unbebadbar. Ich war fertig mit der Welt.

Das Schlimme an diesem kleinen „Spaziergang“ war: Wir wussten, dass wir das alles wieder zurück laufen mussten und zum Glück hatten wir auch nicht mehr als ein Liter Wasser zum trinken dabei.

Auch diesmal hatte mein Kollege wieder gaaaanz tolle Einfälle. Ich Depp war auch immer so behindert darauf ein zu gehen und ihm treudoof hinterher zu dackeln, anstatt mal selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Aber es sollte nicht das letzte Mal sein, an dem er meine Geduld auf eine harte Probe gestellt hat.

Links, in einiger Ferne war ein Parkplatz zu sehen. „Zu dem laufen wir, der ist näher.“, meinte er. „Und von da laufen wir dann an der Straße entlang zurück“.

Wir liefen, und liefen und liefen und liefen. Doch der Parkplatz kam einfach nicht näher. Im Gegenteil, das Einzige was näher kam, war eine Art Sumpf mit viel Schilf und immer noch senkende Hitze von oben. „Ich hätte ihn in Death Valley vergraben sollen… ich hätte ihn in Death Valley vergraben sollen…“ sagte ich mir in Gedanken und achtete darauf bei Bewusstsein zu bleiben, während ich diesem super Navigator hinterher stolperte. Letztendlich nahmen wir nicht den „Parkplatzweg“ sondern gingen wieder Querfeldein zurück zum Visitor Center.

Um 18 Uhr erreichten wir völlig erschöpft das Motel in Lewining. Nach einer ausgiebigen Dusche und einem Moment des Beine hochlegens, gingen wir das erste Mal richtig essen in ein BBQ Grill/Steakhouse. Ich gönnte mir ein Angus Steak mit Salat, Beilagen, Getränken und Nachtisch für 20$. Moah, tat das gut! Während des Essens lernten wir ein älteres Ehepaar kennen, die uns noch viele gute Tipps für unseren Roadtrip gaben.

Anschließend fuhren wir nochmal mit dem Auto zum See. Zu diesem Parkplatz, der natürlich DIREKT am See war, von dem aus ein Weg am Ufer entlang führte. Völlig problemlos. Ich unterdrückte meinen Drang ihn im See versenken zu wollen und versuchte mir anstatt dessen lieber die Mücken vom Leib zu halten die jetzt sich gierig versuchten auf mich zu stürzen …

Um 20 Uhr lag ich, wie gewohnt, TOT im Bett und verfiel in einen komatösen Schlaf.