The windy Island
Mein erster richtiger Urlaub ohne „Familie“. Sonne Strand und Meer! Damals, mit meinen zarten 23 Jahren ein richtiges Abenteuer. Ich hatte eisern gespart, was nicht einfach war bei dem Halsabschneider-Gehalt, das ich  in der Werbeagentur bei der ich angestellt und ständig gemobbt wurde, verdiente. Mein damaliger Freund buchte uns ein Studio in Strand nähe und schon eine Woche später ging es los.

Fuerteventura, sollte eher heißen: „Bläst einem hart die Rübe von den Schultern“. Der Wind föhnt einem unnachgiebig das Haupthaar ins Gesicht. Als würde man sich den ganzen Tag vor einen Ventilator setzen und bei voller Stufe versuchen ein Kartenhaus zu bauen. Mit den Haaren vor den Augen suchen wir im Gedränge der anderen Urlauber unseren Transfer zu unserem Hotel. Durch eine karge Mondlandschaft, bahnt sich der Busfahrer auf teils unbefestigten Straßen den Weg von Hotel zu Hotel. Dabei staune ich über die erdfarbenen Töne der Landschaft, die schroffe Kargheit des Eilands, die auf eine ganz besondere Weise stimuliert. Meine Euphorie hält sich kaum im Zaum. Diese neuen Eindrücke, diese ungeahnten Möglichkeiten die sich mir nun offenbaren als ich erkenne: Ich reise gerade das erste Mal ganz „alleine“. Von einem lauten Knall werde ich grob aus meinen Gedanken gerissen. Der Bus ist mit einem anderen Bus kollidiert. Scheinbar keine Seltenheit auf dieser Insel. Der Fahrer steigt wild gestikulierend aus und brüllt. Dann steigt er wieder ein und fährt weiter. Ich bin irritiert. Keine Polizei? Kein Austausch der Kontaktdaten? Naja, nicht mein Schaden.

Wir werden als letzte bei unserem Hotel abgesetzt. Unser Zimmer ist mit allem ausgestattet was wir benötigen. Kleine Küchenzeile, Sofa, Esstisch, Balkon mit Meerblick, Bad und Schlafbereich. Es ist groß sauber und meiner Meinung nach im typisch spanischen Stil gehalten. Nichts großartiges aber für unsere Ansprüche genau richtig.

Unser Örtchen ist idyllisch. Nicht viele Touristen und der schöne lange Strand ist sehr feinsandig. Weiter im Landesinneren finden wir eine beeindruckende Lagune vor. Alles lädt zu ausgiebigen Strandspaziergängen ein. Bei dem Wind hier kann man bestens Windsurfen oder Kiten. Der erste Tag am Strand ist leider ein wenig unkomfortabel. Der Wind bläst so heftig, dass er den feinen Sand pfeilartig über den Boden trägt. Auf dem Körper fühlt sich das an, als bekäme man eine ganzkörper Akupunktur. Doch wenn man sich eine kleine Düne baut, kann man ganz entspannt liegen.

Für das Meer kaufen wir uns ein Waveboard. Es macht super viel Spaß, sich damit auf den Wellen vorantreiben zu lassen. Teilweise sind die Wellen jedoch so stark, das es uns oftmals von dem Brett schmeißt. Wir reißen uns dabei an den scharfkantigen Lavagesteinen im Wasser die Haut auf.

In der Sonne werde ich so braun wie noch nie in meinem ganzen Leben.

Ab und an gehen wir essen: Paella. Meiner Meinung nach ein Muss in Spanien. Sehr empfehlenswert sind Fischgerichte in kleineren Fischerdörfchen. Fernab vom Tourismus. Die Speisekarten sind auf deutsch immer äußerst unterhaltsam. Zicklein aus den uffen kann man sich ja noch zusammen reihmen, aber der Rest ist einfach nur zum brüllen.

Jeden Tag besucht uns eine hübsche graue Taube auf unserem Balkon und spekuliert auf ein paar Brotkrumen. Auch der Königskranich hängt mit uns jeden Tag am Strand ab. Ein wunderschönes Tier!

Leider geht auch jede noch so schöne Zeit zu Ende und so sind auch unsere zwei Wochen im Nu verflogen. Ich finde Fuerte ist für den kleinen Geldbeutel ein akzeptabler Urlaub. Mir persönlich hat es wegen dem teils  heftigen Wind ein wenig die Lust verdorben. Allerdings kann man sicher noch viel mehr daraus machen, als nur am Strand liegen und so gut wie nichts tun. Auch wenn wir die Insel ein wenig erkundet haben, finde ich, dass sie einfach zu wenig zu bieten hat, wenn man mehr auf Abenteuer aus ist. Dort ist alles einfach noch zu „normal“.