Mit rasendem Herzen schnelle ich in meinem Bett hoch. Es ist dieses Geräusch, dass mir trotz Tiefschlaf direkt ins Gehirn gedrungen ist. Ich sehe neben mich. Meine Tante sitzt ebenfalls wie ein Stock aufrecht im Bett. Die Augen aufgerissen, ihre Verwirrung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Meine Muskeln ziehen sich vor Anspannung zusammen. Das war eine Art Alarm. Aber wieso? Plötzlich knarzt der Lautsprecher und wir fahren erschrocken zusammen. Etwas unverständliches wird in Tschechisch runter gerattert. Dann herrscht Stille. Wir schauen uns verwundert an und fragen uns, was das jetzt war. Was hatte das zu bedeuten? Ich gehe rüber zum Türspion und schaue durch. Nichts regt sich. Nach und nach vernimmt man aus den anderen Etagen und Zimmer nur ein Poltern, dann mal eine Toilettenspülung. Es scheint, das dass ganze Hotel damit geweckt wurde. Es ist 3:20 Uhr morgens. Dann höre ich doch etwas im Flur und husche schnell wieder zum Türspion. Ich sehe wie ein Gast neben uns sich ebenfalls verwirrt im Flur umsieht und öffne ebenfalls die Türe. Auf Englisch frage ich, was passiert sei. Sie entgegnet mir, dass sie das leider nicht weiß und genauso verwirrt ist, wie wir. Denn sie hatte auch nichts verstanden! Also gehen wir wieder zurück ins Zimmer und warten ab. Was wenn das ein Feueralarm war und keiner hat es verstanden? Aber dann würden sie das doch in verschiedenen Sprachen durchgeben. Vor allem in deinem 5-Sterne Hotel, sollte das zu erwarten sein, dass die international eingestellt sind.

15 erdrückend mulmige Minuten später knarzt der Lautsprecher im Zimmer erneut. Wieder fahren wir erschrocken zusammen, denn diesmal ist das Knarzen noch lauter. Eine Stimme erklärt uns nun in Englisch (endlich) das es sich um einen falschen Feueralarm gehandelt habe. Ein Hotelgast hatte in seinem Zimmer geraucht und damit den Alarm ausgelöst. (Wenn ich diesen Mongo erwische..) Wir brauchen keine Angst haben, es sei alles gut und man wünsche uns eine gute Nacht… Doch an Schlaf war nach der Aufregung nun leider nicht mehr zu denken! Und das in der ersten Nacht in Prag.

„Hoffentlich schneit es nicht“, war mein einziger Gedanke ein paar Tage bevor unser Roadtrip nach Prag los ging. Vom 31.03 – 3.04.2017 hatten meine Tante und ich einen Kurztrip nach Prag geplant. Um nicht die ganze Zeit durch fahren zu müssen, hatte ich bei Schwabach ein Restaurant ausgesucht, in dem wir gemütlich zu Mittag essen konnten. Da das Essen kein besonderes Highlight war, erspare ich mir auch den Namen zu nennen.

Den Aufenthalt in einem 5-Sterne Hotel hatte ich über Travelbird gebucht. Ich war von unserer reibungslosen Irlandreise, die ich ebenfalls über Travelbird gebucht hatte (ich berichtete) so begeistert, dass ich mir ein weiteres Schnäppchen für Prag herausgesucht habe.

Das Hotel Corinthia hatte eine perfekte Lage mit ener super Aussicht über Prag, direkt an einer Straßenbahnstation und leicht mit dem Auto zu finden. An für sich war alles in Ordnung, dennoch gab es ein paar Kleinigkeiten, die ich von einem 5-Sterne Hotel anders erwartet hätte. Zum Einen war da der etwas schlechte Service beim Frühstück, dann sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass wenn Tomaten auf dem Boden liegen und (wer auch immer sie davor runter geworfen hat) diese vom Personal weggeräumt werden. Als wir zum Frühstück kamen lagen neben dem Tisch von anderen Gästen ein paar Scheiben auf dem Boden, bis nach einiger Zeit ein Gast sie selbst weggeräumt hat. Im Zimmer werden leider keine neuen Teebeutel mehr nach gelegt, wenn man einen Tee getrunken hat. Bei An- und Abreise wird sich nicht um das Gepäck gekümmert. Das Bad war wunderschön, aber unfassbar unpraktisch und eng. Zudem hatte ich gleich mal den Drehknauf in der Hand. Der Fön war mehr ein laues Lüftchen als ein sinnvoller Haartrockner. Beim Feueralarm kommt die Durchsage ausschließlich auf Tschechisch und kein Gast hat etwas verstanden.

Die Goldene Stadt Prag ist schon ein lang ersehntes Ziel für mich gewesen. Man vergisst oft, dass es sehr viel unkomplizierter ist, von Deutschland nach Prag zu reisen. Hier muss man noch nicht einmal in den Flieger steigen, um anzukommen. Von Stuttgart aus sind wir in 3,5 Stunden mit dem Auto mitten in Prag.

Prag ist eine kompakte und wirklich sehenswerte Stadt. Die Goldene Stadt macht ihrem Namen wirklich alle Ehre und glänzt nicht nur mit tollen Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem mit einer spannenden Geschichte. Durch ihre Lage an der Moldau hat man zwischen Besichtigungen immer wieder Zeit, an den Ufern bei einem Kaffee oder einem Snack eine Verschnaufpause einzulegen und die Aussicht über die Stadt zu genießen.

Beeindruckende Karlsbrücke
Wenn man es schafft, bei Sonnenuntergang an der Karlsbücke zu sein, kann man mit ansehen, wie die Straßenlaternen per Hand von Nachtwächtern angezündet werden. Das ist ein ganz eigentümlicher Anblick, denn hier wurden die Laternen vor nicht allzu langer Zeit „rückgerüstet“ und funktionieren jetzt wieder mit Gas. Die Gaslichter tauchen die Karlsbrücke in einen romantischen Schimmer. Die vielen Heiligenfiguren, die rechts und links auf den Brückenpfeilern thronen, lassen mich jedes Mal an eine längst vergangene Zeit denken.

Leider erlebt man diese Brücke niemals so menschenleer wie auf manchen Fotos. Sogar ganz früh morgens, wenn die Stadt eigentlich noch schläft, sind hier schon die ersten Fotografen unterwegs, die die Brücke im ersten Licht und im leichten Nebel in den Fokus nehmen.

Der Altstädter Ring
Von der wunderschönen Karlsbrücke ist es nur ein Katzensprung zum Altstädter Ring. Hier findet ihr das Altstädter Rathaus mit seiner beeindruckenden astronomischen Uhr. Man darf sich nicht wundern, wenn zur vollen Stunde plötzlich alle wie gebannt stehen bleiben und nach oben schauen – denn dann kommt Bewegung in die Uhr. Das Gebäude ist bereits über 600 Jahre alt, ein echtes Urgestein also. Der Altstädter Ring ist ein beliebter Platz mitten in Prag. Hier findet ihr viele Cafés, tolle Fassaden und viele Straßenkünstler.

Prager Burg und Veitsdom
Schlag auf Schlag folgen die nächsten Highlights von Prag, denn vom Altstädter Ring ist man innerhalb kurzer Zeit an der Prager Burg. Ich hatte sie schon aus der Ferne in Augenschein genommen und mir ständig gedacht: Da MUSS ich hin! Die imposante Burg liegt auf dem Berg Hradschin und ist über 1000 Jahre alt. Um 12 Uhr mittags kann man den Wachwechsel beobachten. Die stocksteifen Männer (ich frage mich wie sie das schaffen derart ruhig da stehen zu können), dürfen sich dann endlich wieder bewegen. Die Burg ist heute noch die Residenz des tschechischen Präsidenten. Man kann fast das gesamte Burggelände besichtigen und außerdem noch einen Blick in die wunderschön gepflegten Gartenanlagen werfen.

Innerhalb des Burggeländes findet man die Heilig-Kreuzkapelle, die Nationalgalerie, drei Ehrenhöfe und das Goldene Gässchen. Letzteres wird so genannt, weil hier Alchemisten mit dem Stein der Weisen Gold hergestellt haben sollen. Außerdem residierte Franz Kafka einige Jahre in dieser Gasse.

Ebenso kann man auf dem Burggelände den Veitsdom besichtigen. Der Bau dieser altehrwürdigen Kirche dauerte bis zu seiner vollkommenen Vollendung 1929 insgesamt 5 Jahrhunderte. Steigt auf den Turm, hat man den besten Blick über die Stadt! Leider habe ich das zu spät gewusst. Allerdings bezweifle ich, dass ich das letzte Mal in Prag gewesen bin.

Was man noch gesehen haben sollte: Das Tanzende Haus, Kloster Strahov mit beeindruckender Bibliothek und eigener Brauerei mit unglaublich schönem Blick über die ganze Stadt.