Rom – ein untergegangenes Weltreich und gleichzeitig die pulsierende Metropole der Neuzeit.

„Alle Wege führen nach Rom“. Genau deswegen hing ich schon seit geraumer Zeit meinem Freund damit in den Ohren. „Wann gehen wir mal nach Rom? Ich will unbedingt Rom sehen. Rom ist so toll! Wir müssen nach Rom. Gehen wir bald nach Rom?„ Gerade für Kunstgeschichte begeisterte wie mich ist Rom mit seiner Ehrfurcht erweckenden Vergangenheit mehr als reizvoll. Rom lockt mit vielfältigen Entdeckungen – Vatikan, Kolosseum, alte Ruinen, viele tolle Säulen, Pantheon, Kathedralen, Kirchen, Brunnen, Piazzas, Essen, Papst, eine Geschichte, die einem den Kamm im Nacken stellt und laue Abende auf der Spanischen Treppe.

Zu meinem 30. Geburtstag bekam ich von ihm dann schließlich DAS Geschenk: 3 Tage Rom! Ich bin komplett aus dem Häuschen und fange sofort an zu planen. Dennis gilt nicht gerade als der Kulturbegeisterte, lässt sich dann aber doch von meiner übertriebenen Freude mitreißen.

Wir fliegen am 18. April los. Dennis hat ein Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs gebucht. Kaum stehen wir am Hauptbahnhof und wollen uns orientieren, werden wir auch schon angequatscht ob man uns helfen könnte. Der Kerl möchte uns den Weg zeigen und wir dackeln brav und doof wie wir sind hinterher. Natürlich will er Geld nachdem er uns nach 20 m die Richtung in der unser Hotel liegt angezeigt hat. Dennis schmeißt ihm 2 € an den Kopf und wir stapfen zu der angegebenen Adresse.

(Das Zimmer ist ok. Das Bad ist winzig und man kann sich nur schräg aufs Klo setzen, weil man die Knie nicht zwischen Klo und Wand bekommt. Die Dusche ist sehr unappetitlich und die Klospülung extrem laut. Das Bett ist das unbequemste in dem ich jemals gelegen bin. Aber schließlich sind wir hier nicht zum Relaxen, sondern wir sollen was von der Welt sehen. Darum Arschbacken zusammenkneifen und durch.)

Schnell die Koffer ins Zimmer geworfen, noch kurz  frisch gemacht und schon geht es Richtung Kolosseum.
Meine Euphorie kennt keine Grenzen. Wir laufen zu Fuß ab, was man ablaufen kann. Die Stadt besteht ausschließlich aus Kopfsteinpflastern. Wenn  man nur zu Fuß unterwegs ist, wird das nach einiger Zeit sehr anstrengend. Der Straßenverkehr hingegen ist ebenfalls ein wenig gewöhnungsbedürftig. Hier fährt jeder, wie es ihm passt. Es wird gehupt, geschimpft und wild gestikuliert. Ampeln sind zwar vorhanden, werden aber größtenteils ignoriert. Auch Zebrastreifen sollten mit Vorsicht überquert werden.

Die kleinen idyllischen Gassen, das typisch Italienische Flair haben auf mich einen ganz besonderen Charme.
Die Gebäude, oder was bei manchen zum Teil überhaupt noch übrig geblieben ist, faszinieren mich. So viel zu sehen. Bei den vielen filigranen Feinheiten bleibt mir teils die Spucke weg. Meine Kamera läuft fast heiß, so viele Bilder schieße ich von allem.

Die Kirchen und Brunnen sind für mich persönlich das Großartigste, was ich bisher gesehen habe. So viel Liebe zum Detail. Es lohnt sich nicht nur in die Kirchen zu gehen, die auf den Sightseeing Karten gekennzeichnet sind. Wenn man durch die Gassen läuft steht man oftmals vor einer Kirche, die man gar nicht kennt. Meist entpuppt sich solche kleinen unscheinbaren, unauffälligen Kapellen dann als wahre Meisterwerke der Deckenmalerei und imponieren durch pompöse Verzierungen. Ich bekam kaum noch den Mund zu vor lauter Staunen.

Am Piazza Navona essen wir unsere erste italienische Pizza. Ich möchte nichts anderes mehr essen und ich esse auch nie wieder in Deutschland Pizza. Hölle, können die Pizza machen! Wenn ich nur daran denke läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen.

Ich höre die Massen rufen. Eine grollende Menschenmenge, die die Gladiatoren anfeuert, die sich einen erbitterten Kampf um Leben und Tod geben. Wir stehen im Kolosseum und mir läuft ein Schauer über den Rücken. Ich kann mir Bildhaft vorstellen, was hier vor 2000 Jahren abgegangen ist.

Sonntags machen wir uns auf den Weg in die Vatikan Stadt. Zu aller erst lache ich über einen bunten Eulenspiegel der am Eingang steht, bis ich bemerke das dass die Schweizer Garde ist. Ernsthaft? Von allen Uniformen auf diesem Planeten sucht ihr euch so etwas raus? Der Ansturm auf die Stadt ist irrsinnig. Allerdings ist mir im Nachhinein bewusst geworden warum: Es war Sonntag. Als Antichrist habe ich natürlich keine Ahnung das der Papst da seine Sonntagsrede hält. Das erklärt auch wieso die Schlange zum Petersdom auch 3 mal um den Vatikan geht. Aus diesem Grund beschließen wir uns dem Tumult zu entziehen und einigen uns darauf, dass wir sicher nicht das letzte Mal in Rom gewesen sind. Den Dom schauen wir uns eben ein anderes Mal an, wenn wir wieder hier her kommen.

Abends sind die Bauwerke und Ruinen stimmungsvoll beleuchtet. Es lohnt sich also auch einmal zu den Abendstunden durch Rom zu schlendern. Als wir unseren Rückflug antreten wird mir bewusst, wie unglaublich viel wir in diesen knapp 2,5 Tagen gelaufen sind. Wir haben alles gesehen was es in Rom zu sehen gibt und ehrlich gesagt war ich sehr über die Dimensionen dieser Stadt überrascht. Es sieht alles so weit entfernt voneinander aus, aber in Wirklichkeit kann man alles schnell und bequem ablaufen.

Fazit:
Rom ist jederzeit eine zweite Reise wert. Die Höhepunkte sind alle bequem zu Fuß erreichbar. Wem das allerdings zu anstrengend ist, kann den Tram Bus 110 ab Hauptbahnhof Termini nehmen. Diese Stadt hat mehr Kirchen als das Jahr Tage. Das Essen ist fantastisch und die Italiener zuckersüß. Insgesamt waren die 3 Tage Rom jede Erfahrung wert! Der Trevibrunnen war zu unserer Zeit leider in ein Baugerüst zur Sanierung eingehüllt.